Steh auf, Gott – bring Recht auf diese Erde!

 

Steh auf, Gott, richte die Erde, denn dein Eigentum sind die Nationen alle.

Psalm 82,8

 

Nun erfahre ich in Wahrheit, dass Gott die Person nicht ansieht; sondern in jedem Volk, wer ihn fürchtet und Recht tut, der ist ihm angenehm.

Apostelgeschichte 10,34–35


Liebe Leserin, lieber Leser,

muss ich Gott erst auffordern aufzustehen? Denken wir nicht manchmal zu menschlich von ihm? Als wäre er ein alter, weiser Mann, der im Himmel sitzt, kopfschüttelnd auf die Zustände dieser Welt schaut und scheinbar nicht eingreift?


Psalm 82 zeichnet ein anderes Bild. Der Psalm beschreibt Gott als den gerechten Richter, der die Mächtigen zur Verantwortung zieht. Er klagt an, dass Schwache unterdrückt, Arme benachteiligt und Schutzlose nicht verteidigt werden. Am Ende ruft der Psalmbeter: „Steh auf, Gott, richte die Erde!“


Das ist kein Hinweis darauf, dass Gott schläft oder die Welt vergessen hat. Es ist der verzweifelte und zugleich hoffnungsvolle Ruf nach Gottes Gerechtigkeit. Menschen mögen Unrecht tun und ungestraft davonkommen – aber Gott wird richten. Die Erde und alle Nationen gehören ihm.


Auch Petrus musste lernen, Gottes Blick neu zu verstehen. In Apostelgeschichte 10 begegnet er Kornelius, einem römischen Hauptmann, der Gott sucht. Bis dahin hatte Petrus klare Vorstellungen davon, zu wem Gottes Botschaft gehört. Doch Gott zeigt ihm, dass seine Gnade nicht an Volksgrenzen haltmacht.


Petrus erkennt: Gott bevorzugt niemanden aufgrund seiner Herkunft. Wer ihn fürchtet und Recht tut, ist ihm angenehm. Das bedeutet nicht, dass wir uns Gottes Gnade verdienen müssen, sondern dass sein Ruf allen Menschen gilt.


Leben wir nicht in einer Zeit, die uns an die Tage Noahs erinnert? Gewalt, Gleichgültigkeit und Ungerechtigkeit prägen vielerorts die Welt. Die Bibel verschweigt nicht, dass Gottes Gericht kommen wird. Doch diese Wahrheit soll uns nicht in Angst oder Überheblichkeit führen, sondern zur Umkehr und zu einem gerechten Leben bewegen.


Was bedeutet das für mich persönlich? Ich will nicht nur darauf warten, dass Gott endlich eingreift. Ich möchte heute schon für Gerechtigkeit eintreten, Menschen ohne Ansehen ihrer Herkunft begegnen und dort helfen, wo andere übersehen werden. Ich darf Gott mein Unverständnis über das Unrecht dieser Welt ehrlich sagen – und zugleich darauf vertrauen, dass ihm diese Erde gehört.


Darum bete ich heute: Gerechter Gott, manchmal frage ich mich, warum du dem Unrecht so lange zusiehst. Vergib mir, wenn ich dich nach meinen menschlichen Vorstellungen beurteile. Schenke mir Vertrauen in dein kommendes Gericht und Mut, heute schon für Recht und Barmherzigkeit einzustehen. Hilf mir, Menschen mit deinen Augen zu sehen. Dein Reich komme und dein Wille geschehe. Amen.


Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern einen gesegneten Tag

Herzliche Grüße, Pastor Michael Röschard