Wenn Gott da ist – warum geschieht das?

 

Gideon, aber sprach zu ihm: Ach, mein Herr, ist der HERR mit uns, warum ist uns denn das alles widerfahren?

Richter 6,13

 

Dann werdet ihr euch freuen, die ihr jetzt eine kleine Zeit, wenn es sein soll, traurig seid in mancherlei Anfechtungen, auf dass euer Glaube bewährt und viel kostbarer befunden werde als vergängliches Gold.

1. Petrus 1,6–7


Liebe Leserin, lieber Leser,

Gideons Frage ist eine Frage, die wohl jeder gläubige Mensch irgendwann kennt: Wenn der Herr mit mir ist, warum geschieht dann das alles? Warum lässt Gott Schwierigkeiten zu? Warum verändert Er eine Situation nicht, obwohl ich bete? Warum muss ich durch Zeiten gehen, in denen ich Seine Nähe kaum spüre?


Gideon befand sich in einer bedrängenden Lage. Israel litt unter den Midianitern, und von Gottes Hilfe war scheinbar wenig zu sehen. Gerade da begegnete ihm der Engel des HERRN. Das ist bemerkenswert: Gideon sah die Not – aber Gott sah bereits den Weg hindurch.


Auch Petrus verschweigt nicht, dass Christen traurig sein können. Glaube bedeutet nicht, dass wir keine Tränen, Fragen oder Anfechtungen mehr kennen. Doch Petrus zeigt uns, dass Prüfungen nicht sinnlos sein müssen. Gott kann sie gebrauchen, um unseren Glauben zu läutern wie Gold im Feuer.

 

Gold wird im Feuer nicht wertlos – es wird gereinigt. Ebenso kann eine schwere Zeit Dinge in unserem Herzen sichtbar machen: Worauf vertraue ich wirklich? Hängt mein Glaube davon ab, dass Gott meine Wünsche erfüllt? Oder halte ich mich auch dann an Ihm fest, wenn ich Seine Wege nicht verstehe?


Vielleicht stehst du gerade selbst vor der Frage Gideons: „Herr, wenn Du mit mir bist, warum ist mir das widerfahren? Du musst diese Frage nicht verdrängen. Du darfst sie Gott sagen. Aber bleibe nicht bei dem „Warum?“ stehen. Frage auch: „Herr, was möchtest Du in dieser Zeit in mir wirken?“


Gottes Gegenwart zeigt sich nicht nur darin, dass Er Schwierigkeiten verhindert. Manchmal zeigt sie sich gerade darin, dass Er uns durch sie hindurchträgt. Was heute wie eine Anfechtung aussieht, kann morgen zu einem Zeugnis Seiner Treue werden.


Darum bete ich heute: Herr Jesus, manchmal verstehe ich Deine Wege nicht. Ich sehe meine Schwierigkeiten und frage mich, warum Du sie zulässt. Hilf mir, Dir auch dann zu vertrauen, wenn ich keine Antwort bekomme. Läutere meinen Glauben und mache ihn fest und kostbar. Bewahre mich davor, Deine Nähe nach meinen Umständen zu beurteilen. Lass mich erkennen, dass Du bei mir bist, auch im Tal. Schenke mir Kraft für heute, Hoffnung für morgen und ein Herz, das sich an Dir festhält. Amen.

 

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern, einen gesegneten Tag

Herzliche Grüße, Pastor Michael Röschard