LichtBlick des Tages


Wenn Worte laut werden und Gott leise ruft

 

Wo Träume sich mehren und Nichtigkeiten und viele Worte, da fürchte Gott!

Prediger 5,6

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

der Prediger beschreibt eine Erfahrung, die uns erstaunlich vertraut ist: Viele Träume, viele Pläne, viele Worte – und doch bleibt oft ein Gefühl von Leere zurück. Wir reden viel, erklären viel, rechtfertigen viel. Wir bauen Luftschlösser, jagen Idealen hinterher und verlieren uns in endlosen Gedankenspielen. Dabei kann es passieren, dass Gott immer leiser wird, während unsere eigenen Stimmen immer lauter werden.


Dieser Vers ist keine Geringschätzung von Träumen oder Worten. Gott selbst hat uns mit Fantasie, Sehnsucht und Sprache beschenkt. Aber der Prediger warnt vor einer inneren Unordnung: Wenn Träume sich mehren, ohne dass sie in Gottes Wahrheit verwurzelt sind. Wenn Worte sich häufen, ohne dass sie aus einem hörenden Herzen kommen. Wenn Nichtigkeiten unsere Aufmerksamkeit fesseln und das Wesentliche verdrängen.


„Fürchte Gott“ bedeutet hier nicht Angst haben, sondern Ehrfurcht bewahren. Es heißt: Gott ernst nehmen. Ihm Raum geben. Ihn nicht übertönen mit unseren eigenen Plänen. Wer Gott fürchtet, hört zuerst – und redet dann. Wer Gott fürchtet, ordnet seine Träume an Gottes Willen. Wer Gott fürchtet, erkennt, dass nicht alles, was glänzt, auch trägt.

 

In einer Zeit, in der wir ständig reden, posten, kommentieren und planen, lädt uns dieser Vers zur Stille ein. Zur Besinnung. Zur Rückkehr zu dem EINEN, der unserem Leben Tiefe gibt.


Nimm dir bewusst Zeiten der Stille. Lege Gott deine Träume hin und frage: „Herr, was ist von dir?“ Prüfe deine Worte: Dienen sie dem Leben oder nur dem eigenen Ego? Lerne wieder zuzuhören – Gott und den Menschen. Denn im Hören wächst Ehrfurcht, und in der Ehrfurcht wächst Weisheit.


Ich bete heute: Herr, unser Gott, du siehst unsere vielen Worte, unsere rastlosen Gedanken und unsere großen Träume. Vergib uns, wo wir dich überhört haben, weil wir nur uns selbst zugehört haben. Lehre uns, still zu werden vor dir. Ordne unsere Wünsche nach deinem Willen. Schenke uns ein hörendes Herz und eine ehrfürchtige Haltung vor deiner Gegenwart. Du allein bist unser Halt und unsere Wahrheit.

Amen.



Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern, einen gesegneten Tag!

Herzliche Grüße, Pastor Michael Röschard