Wenn Gottes Kraft unsere Schwäche trägt
Ich rief zu dem HERRN in meiner Angst, und er antwortete mir.
Jona 2,3
Der Herr hat zu mir gesagt: Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft vollendet sich in der Schwachheit.
2. Korinther 12,9
Liebe Leserin, lieber Leser,
es gibt Zeiten im Leben, in denen wir uns fühlen wie Jona im Bauch des Fisches – eingeschlossen, hilflos und ohne Ausweg. Angst kann das Herz eng machen und den Blick auf Gottes Möglichkeiten verstellen. Doch gerade dort, wo Jona keine Hoffnung mehr sah, geschah das Entscheidende: Er rief zum HERRN. Und Gott antwortete ihm.
Auch Paulus kannte Bedrängnis und persönliche Schwachheit. Er bat Gott darum, seine Last von ihm zu nehmen. Doch statt einer sofortigen Befreiung erhielt er eine tiefere Verheißung: „Lass dir an meiner Gnade genügen.“ Gottes Antwort bestand nicht darin, jede Schwierigkeit zu beseitigen, sondern Paulus mit seiner Gnade hindurchzutragen. Seine Kraft zeigt sich nicht zuerst in unserer Stärke, sondern gerade dort, wo wir an unsere Grenzen kommen.
Beide Bibelstellen weisen auf dieselbe Wahrheit hin: Gott ist in unserer Not gegenwärtig. Er hört das ehrliche Gebet des Verzweifelten und schenkt seine Kraft dem, der seine eigene Ohnmacht erkennt. Wo wir meinen, alles selbst schaffen zu müssen, bleibt oft wenig Raum für Gottes Wirken. Wo wir jedoch unsere Hände öffnen, und ihn anrufen, kann seine Gnade unser Leben erfüllen.
Für mich ist das eine große Ermutigung. Ich muss nicht erst mutig, stark oder vollkommen sein, bevor ich zu Gott komme. Ich darf mit meinen Sorgen, meiner Müdigkeit und meinen offenen Fragen zu ihm gehen. Er weist mich nicht ab. Seine Antwort kommt vielleicht anders, als ich es erwarte, aber sie ist immer von Liebe und Weisheit getragen. Seine Gnade genügt auch heute – im Beruf, in der Familie, in Krankheit, in Enttäuschungen und in den stillen Kämpfen des Herzens.
Darum bete ich heute: Herr, ich danke dir, dass ich in meiner Angst und Schwachheit zu dir rufen darf. Du kennst meine Grenzen und meine Lasten. Hilf mir, nicht auf meine eigene Kraft zu vertrauen, sondern auf deine Gnade. Schenke mir die Gewissheit, dass du mich hörst und dass deine Kraft mich trägt, wenn ich selbst nicht weiterweiß. Lehre mich, dir täglich neu zu vertrauen und aus deiner Gegenwart zu leben. Amen.
Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern, einen gesegneten Tag
Herzliche Grüße, Pastor Michael Röschard

