Getrost in einer erschütterten Welt

 

Habe ich dir nicht geboten: Sei getrost und unverzagt?

Josua 1,9

 

Wir dachten bei uns selbst, zum Tode verurteilt zu sein. Das geschah aber, damit wir unser Vertrauen nicht auf uns selbst setzten, sondern auf Gott, der die Toten auferweckt, der uns aus solcher Todesnot errettet hat und erretten wird.

2. Korinther 1,9–10

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

auf den ersten Blick klingt die heutige Losung wie eine strenge Ermahnung. „Habe ich dir nicht geboten: Sei getrost und unverzagt?“

Fast könnte man meinen, Gott erhebe den Zeigefinger und fordere von Josua etwas, das dieser aus eigener Kraft leisten soll. Schließlich steht Josua vor einer gewaltigen Aufgabe. Mose ist tot, das Volk wartet auf Führung, und vor ihm liegen unbekannte Herausforderungen. Angst wäre verständlich gewesen.


Doch genau hier lohnt es sich, den Vers nicht an dieser Stelle abzubrechen. Denn Gottes Aufforderung steht nicht allein im Raum. Sie führt zu einer wunderbaren Begründung: „Lass dir nicht grauen und entsetze dich nicht; denn der HERR, dein Gott, ist mit dir in allem, was du tun wirst.“

Plötzlich verändert sich alles. Der Befehl zum Mut gründet nicht auf menschlicher Stärke, sondern auf Gottes Gegenwart. Gott sagt nicht: „Sei mutig, weil du stark genug bist.“ Er sagt: „Sei mutig, weil ICH bei dir bin.


Viele Jahrhunderte später berichtet Paulus von einer Situation, die weit über gewöhnliche Sorgen hinausging. Er und seine Mitarbeiter waren so bedrängt, dass sie meinten, dem Tod geweiht zu sein. Doch gerade in dieser äußersten Not lernte Paulus etwas Entscheidendes: Sein Vertrauen sollte nicht auf seiner eigenen Kraft ruhen, sondern auf Gott, „der die Toten auferweckt“.


Beide Bibelstellen führen zum selben Kern. Mut entsteht nicht daraus, dass die Umstände günstig sind. Vertrauen wächst nicht deshalb, weil wir alles unter Kontrolle haben. Es entsteht dort, wo wir erkennen, dass Gott gegenwärtig ist und handelt.


Gerade angesichts des gegenwärtigen Weltgeschehens sprechen diese Verse mit besonderer Kraft. Kriege, Unsicherheit, gesellschaftliche Spannungen und persönliche Sorgen können uns erschüttern. Vieles wirkt bedrohlich und unüberschaubar. Doch Gottes Wort ruft uns nicht zu einem naiven Optimismus auf. Es verweist uns auf den lebendigen Gott. Der Gott, der Josua begleitete, der Paulus durch Todesnot trug und der sogar Tote auferweckt, ist derselbe Gott, auch heute!


Wo macht sich in meinem Leben Angst breit? Welche Nachrichten, Entwicklungen oder persönlichen Herausforderungen rauben mir den Frieden? Gott fordert mich nicht auf, die Augen vor der Realität zu verschließen. Aber er lädt mich ein, meinen Blick höher zu richten. Ich darf meine Grenzen anerkennen und zugleich darauf vertrauen, dass Gottes Möglichkeiten größer sind als meine Sorgen.


Darum bete ich heute: Herr, mein Gott, manchmal erschrecken mich die Ereignisse dieser Welt und die Herausforderungen meines eigenen Lebens. Danke, dass Du mich nicht allein lässt. Vergib mir, wo ich mehr auf meine Kraft vertraue als auf Dich. Schenke mir den Mut, den Du Josua zugesprochen hast, und das Vertrauen, das Paulus in seiner Not gelernt hat. Stärke meinen Glauben an Deine Gegenwart und Deine Macht. Hilf mir, auch in unsicheren Zeiten getrost und unverzagt zu leben. Denn Du bist der Gott, der rettet, trägt und neues Leben schenkt. Amen.


Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern, einen gesegneten Tag

Herzliche Grüße, Pastor Michael Röschard