LichtBlick des Tages
Unglaubliche Gnade – die „Schächergnade“
„Meine Schuld ist mir über den Kopf gewachsen; sie wiegt zu schwer, ich kann sie nicht mehr tragen.“
Psalm 38,5
Der Übeltäter sprach: „Jesus, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst!“ Und Jesus sprach zu ihm: „Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein.“
Lukas 23,42–43
Liebe Leserin, lieber Leser,
es gibt Momente, in denen ein Mensch erkennt: Ich schaffe es nicht mehr. Die Schuld ist zu groß, die Last zu schwer. Genau so beschreibt es der Psalmbeter – überwältigt von dem, was er selbst verursacht hat. Kein Beschönigen, kein Ausweichen. Nur die ehrliche Erkenntnis: Ich kann meine Schuld nicht tragen.
Und dann begegnet uns im Neuen Testament dieser eine Mann am Kreuz. Ein Verbrecher, schuldig im wahrsten Sinne des Wortes. Sein Leben ist gescheitert, seine Möglichkeiten sind am Ende. Und doch geschieht hier etwas Unfassbares: Mitten im Sterben wendet er sich an Jesus – mit einer schlichten Bitte: „Gedenke an mich.“
Keine langen Gebete. Keine guten Werke. Keine Zeit mehr, etwas wiedergutzumachen.
Und Jesus antwortet mit einer Gnade, die alle Maßstäbe sprengt: „Heute wirst du mit mir im Paradies sein.“
Das ist sie – diese „Schächergnade“. Eine Gnade, die nicht verdient wird. Eine Gnade, die nicht wartet, bis jemand sich bewährt hat. Eine Gnade, die gerade dort greift, wo alles verloren scheint.
Vielleicht ist genau das der Punkt, der uns herausfordert: Wir möchten oft erst „besser werden“, bevor wir zu Gott kommen. Wir meinen, wir müssten zumindest ein bisschen Ordnung schaffen, bevor wir um Vergebung bitten dürfen. Doch diese Geschichte zeigt: Gnade beginnt nicht dort, wo wir stark sind – sondern dort, wo wir am Ende sind.
Doch diese Geschichte ist keine Einladung, zu warten. Sie ist ein Trost für den, der zu spät zu kommen meint – aber keine Ausrede für den, der aufschiebt. Denn wir wissen nicht, wann unser Leben zu Ende ist. Wer darauf setzt, erst am Ende umzukehren, spielt mit etwas, das er nicht in der Hand hat.
Die Gnade Jesu ist immer da – aber unser Morgen ist nicht garantiert.
Heute ist der Tag, an dem ich antworten darf. Wo empfinde ich Schuld, die mich niederdrückt? Wo habe ich vielleicht versucht, sie selbst zu tragen? Die Einladung Jesu gilt auch heute: Komm mit dem, was dich belastet. Nicht morgen, nicht erst, wenn alles geklärt ist – sondern jetzt. Seine Gnade reicht weiter, als meine Schuld reicht.
Heute darf ich meine Schuld abgeben, mein Leben Jesus anvertrauen und seine Gnade annehmen. Und wenn jemand erst ganz am Ende seines Lebens erkennt, wer Jesus ist, dann leuchtet seine Gnade umso heller. Aber wie viel reicher ist ein Leben, das schon früh von dieser Gnade getragen wird!
Darum bete ich heute: Herr Jesus Christus, ich danke dir für diese unfassbare Gnade. Du siehst meine Schuld, meine Last, mein Versagen – und dennoch wendest du dich mir zu. Bewahre mich davor zu glauben, ich müsste mich selbst retten. Schenke mir den Mut, ehrlich vor dich zu kommen, so wie ich bin. Und hilf mir, deiner Zusage zu vertrauen: dass deine Gnade größer ist als alles, was mich belastet. Amen.
Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern, einen gesegneten Tag!
Herzliche Grüße, Pastor Michael Röschard

