Nicht zuschanden werden – weil Christus lebt
Lass mich nicht zuschanden werden, denn ich traue auf dich!
Psalm 25,20
Jesus Christus spricht: „Ich lebe, und ihr sollt auch leben.
Johannes 14,19
Liebe Leserin, lieber Leser,
der erste Vers stammt aus Psalm 25, einem Gebet Davids. David befindet sich in Bedrängnis. Er kennt Angst, Schuld, Einsamkeit und die Bedrohung durch seine Feinde. Mehrfach bittet er Gott darum, ihn nicht der Schande preiszugeben. Dabei geht es nicht darum, dass David niemals in eine schwierige Lage geraten möchte. Er vertraut darauf, dass Gott ihn auch dort nicht fallen lässt.
Das Wort „zuschanden“ berührt etwas Tiefes. Darin steckt das Wort „Schande“. Zuschanden werden bedeutet, enttäuscht, bloßgestellt oder am Ende als jemand dazustehen, dessen Hoffnung sich als vergeblich erwiesen hat. David sagt: Ich traue auf dich – darum lass mich nicht zuschanden werden. Er legt seine Hoffnung in Gottes Hände.
Auch wir kennen Situationen, in denen wir denken: Wie soll ich hier jemals wieder herauskommen? Vielleicht erinnern wir uns an Zeiten, in denen ein Ausweg nicht zu sehen war. Und manchmal dauert es lange, bis sich etwas verändert. Doch gerade darin kann Gottes Treue sichtbar werden. Es ist keine Schande, schwere Zeiten durchzumachen. Es ist auch keine Schande zu zweifeln, zu klagen oder Gott seine Not hinzuhalten. David selbst tut es.
Der zweite Vers steht in Jesu Abschiedsreden im Johannesevangelium. Jesus weiß, dass sein Leiden und sein Tod unmittelbar bevorstehen. Seine Jünger werden ihn nicht mehr sehen und müssen mit ihrer Angst und Verunsicherung zurechtkommen. Doch Jesus sagt: „Ich lebe, und ihr sollt auch leben.“ Sein Tod ist nicht das Ende. Er wird auferstehen. Und weil er lebt, ist auch unsere Hoffnung lebendig.
Vielleicht sagen Menschen manchmal: Wo ist denn nun dein Gott? Doch gerade dann darf unser Vertrauen wachsen. Gottes Hilfe kommt nicht immer so, wie wir es erwarten, und manchmal lässt sie lange auf sich warten. Aber Gott ist treu. Was heute wie eine ausweglose Situation aussieht, ist nicht das letzte Wort.
Ich darf Gott auch meine Angst und meine Fragen bringen. Ich muss nicht stark tun. Ich darf sagen: Herr, ich sehe keinen Weg. Aber ich vertraue dir. Und ich darf mich daran erinnern: Christus lebt. Deshalb ist meine Hoffnung nicht vergeblich.
Darum bete ich heute: Herr Jesus Christus, manchmal sehe ich keinen Ausweg und habe Angst, dass ich zuschanden werde. Danke, dass ich mit meiner Not zu dir kommen darf. Stärke mein Vertrauen, wenn ich zweifle. Lass mich deine Treue auch dann festhalten, wenn ich sie noch nicht erkennen kann. Schenke mir die Gewissheit: Du lebst, und weil du lebst, darf auch ich hoffen und leben. Amen.
Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern einen gesegneten Tag
Herzliche Grüße, Pastor Michael Röschard

