Wenn uns ein Licht aufgeht
Dem Gerechten muss das Licht immer wieder aufgehen und Freude den aufrichtigen Herzen.
Psalm 97,11
Wenn du ein Mahl machst, so lade Arme, Verkrüppelte, Lahme und Blinde ein, dann wirst du selig sein, denn sie haben nichts, um es dir zu vergelten.
Lukas 14,13–14
Liebe Leserin, lieber Leser,
„Da ist mir ein Licht aufgegangen!“ Das sagen wir, wenn wir plötzlich etwas verstehen oder einen neuen Gedanken entdecken. Doch kann uns auch im Glauben ein Licht aufgehen – mitten im ganz gewöhnlichen Alltag?
Psalm 97 ist ein Lobgesang auf Gottes Herrschaft. Gott ist größer als alle Mächte, und seine Gerechtigkeit wird sich durchsetzen. In diesem Zusammenhang steht die Zusage, dass dem Gerechten Licht aufgeht und die aufrichtigen Herzen Freude erfahren. Das bedeutet nicht, dass Menschen, die Gott vertrauen, niemals dunkle Zeiten erleben. Vielmehr dürfen sie darauf hoffen, dass Gott Licht schenkt, Orientierung gibt und Freude wachsen lässt – auch dort, wo zunächst wenig davon zu erkennen ist.
Im Lukasevangelium sitzt Jesus bei einem führenden Pharisäer zu Tisch. Er beobachtet, wie die Gäste sich die Ehrenplätze aussuchen, und spricht über Demut. Dann fordert er seinen Gastgeber heraus: Er soll nicht nur Freunde, Verwandte und wohlhabende Nachbarn einladen, die sich später revanchieren können. Stattdessen soll er Menschen aufnehmen, die nichts zurückgeben können. Jesus stellt damit unsere gewohnten Maßstäbe auf den Kopf. Liebe soll nicht davon abhängen, ob sie sich auszahlt. Sie darf einfach schenken.
Vielleicht geht uns genau dabei ein Licht auf. Wenn wir einem Menschen ein freundliches Wort sagen, jemandem helfen oder auf etwas verzichten, um einem anderen beizustehen, verändert sich manchmal auch unser eigener Blick.
Wir entdecken, dass wir nicht nur aus eigener Kraft leben. Gott begegnet uns in solchen Situationen, stärkt uns durch Menschen und schenkt uns Mut. Nicht jede Begegnung ist ein überwältigendes Erlebnis. Aber manchmal erkennen wir erst im Nachhinein: Gott hat mich geführt, mir etwas gezeigt oder durch mich einem anderen Menschen geholfen.
Das Licht, von dem der Psalm spricht, könnte auch dieses neue Bewusstsein sein: Gott ist gegenwärtig. Seine Liebe wird dort sichtbar, wo wir sie weitergeben. Freude entsteht nicht unbedingt dadurch, dass wir etwas bekommen, sondern manchmal gerade dadurch, dass wir etwas schenken.
Wem könnte ich heute ein Licht anzünden? Vielleicht braucht jemand meine Zeit, ein aufmunterndes Wort oder praktische Hilfe. Ich möchte offen sein für solche Begegnungen und darauf achten, wo Gott mir darin selbst Licht und Mut schenkt.
Darum bete ich heute: Herr, öffne meine Augen für die Menschen, die meine Hilfe brauchen. Schenke mir ein aufrichtiges Herz, das gibt, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Lass dein Licht in meinem Alltag aufgehen und hilf mir, deine Liebe weiterzugeben. Danke, dass du mir gerade in kleinen Begegnungen Mut und Freude schenken kannst. Amen.
Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern einen gesegneten Tag
Herzliche Grüße, Pastor Michael Röschard

