Vom Gericht zur Gnade
Ach, HERR, strafe mich nicht in deinem Zorn und züchtige mich nicht in deinem Grimm!
Psalm 6,2
Gott hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, auf dass wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt.
2. Korinther 5,21
Liebe Leserin, lieber Leser,
David beginnt Psalm 6 mit einem erschütternden Gebet. Er weiß um seine eigene Schwachheit und tritt nicht selbstbewusst vor Gott. Er bittet nicht darum, dass seine Schuld übersehen wird, sondern dass Gott ihm in Barmherzigkeit begegnet. Hinter diesen Worten steht die Erkenntnis: Wenn Gott nach seiner vollkommenen Gerechtigkeit handeln würde, hätte kein Mensch etwas vorzubringen.
Der Lehrtext aus dem zweiten Korintherbrief zeigt die wunderbare Antwort Gottes auf diese Not. Was David nur erahnen konnte, ist in Jesus Christus Wirklichkeit geworden. Der sündlose Sohn Gottes nahm unsere Schuld auf sich. Er wurde „für uns zur Sünde gemacht“, damit wir vor Gott gerecht sein können. Das ist das Herzstück des Evangeliums: Christus trägt, was wir nicht tragen können, und schenkt uns, was wir niemals verdienen könnten – seine Gerechtigkeit.
Diese beiden Verse ergänzen sich auf beeindruckende Weise. Der erste zeigt die Not des Menschen, der zweite Gottes rettendes Handeln. Zwischen beiden steht das Kreuz. Dort treffen Gottes Gerechtigkeit und seine Liebe aufeinander. Gottes Zorn über die Sünde wird nicht einfach beiseitegeschoben, sondern von Christus getragen. Deshalb dürfen alle, die ihm vertrauen, ohne Furcht zu Gott kommen.
Was bedeutet das für unseren Alltag? Auch wir kennen Momente, in denen uns unser Versagen bewusst wird. Worte, die verletzten, Entscheidungen, die wir bereuen, oder Gedanken, die uns beschweren. Dann neigen wir dazu, uns eher von Gott zurückzuziehen. Doch das Evangelium lädt uns ein, gerade dann zu ihm zu kommen. Wir müssen uns seine Annahme nicht verdienen. In Christus sind wir angenommen, vergeben und geliebt.
Wer aus dieser Gewissheit lebt, wird nicht leichtfertig mit Schuld umgehen. Im Gegenteil: Die erfahrene Gnade weckt Dankbarkeit und den Wunsch, so zu leben, dass Christus geehrt wird. Nicht aus Angst vor Strafe, sondern aus Liebe zu dem, der alles für uns gegeben hat.
Darum bete ich heute: Herr Jesus Christus, ich danke dir, dass du meine Schuld auf dich genommen hast. Danke, dass ich vor Gott nicht aufgrund meiner Leistung bestehen muss, sondern durch deine Gerechtigkeit angenommen bin. Hilf mir, jeden Tag aus dieser Gnade zu leben. Bewahre mich davor, mich von Schuld von dir wegtreiben zu lassen. Ziehe mich vielmehr immer wieder in deine Nähe und erfülle mein Herz mit Dankbarkeit, Vertrauen und Liebe. Lass mein Leben widerspiegeln, was du für mich getan hast. Amen.
Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern, einen gesegneten Tag
Herzliche Grüße, Pastor Michael Röschard

