Wohl dem Volk, dessen Gott der HERR ist!
Wohl dem Volk, dessen Gott der HERR ist!
Psalm 144,15
Es ist über alle derselbe Herr, reich für alle, die ihn anrufen.
Römer 10,12
Liebe Leserin, lieber Leser,
der 144. Psalm wird David zugeschrieben. Er steht im Zusammenhang mit den Erfahrungen eines Königs, der weiß, dass menschliche Stärke allein nicht genügt. David blickt auf Bedrohungen und Kämpfe zurück und bekennt: Letztlich ist es Gott, der seinem Volk Schutz, Hilfe und Zukunft schenkt. Deshalb mündet der Psalm in den Ausruf: Wohl dem Volk, dessen Gott der HERR ist!
Wie aktuell dieser Satz doch ist! Wenn wir uns heute umsehen, könnte man meinen, wir wiederholten die Geschichte vom Turmbau zu Babel. In 1. Mose 11 wollten die Menschen aus eigener Kraft etwas Großes schaffen. Sie wollten sich selbst einen Namen machen und glaubten offenbar, ohne Gott auskommen zu können. Am Ende wurden sie zerstreut und verstanden einander nicht mehr.
Auch heute erleben wir, wie Menschen aufeinander eindreschen – politisch, gesellschaftlich und persönlich. Wir reden viel, aber verstehen uns immer weniger. Vielleicht liegt ein Teil des Problems darin, dass wir vergessen haben, wer eigentlich Herr ist. Besitz, Ansehen, Einfluss, Sicherheit und Erfolg können zu unseren „Alltagsgöttern“ werden. Doch was uns zunächst Halt verspricht, lässt uns am Ende oft leer zurück.
Und dann schreibt Paulus: „Es ist über alle derselbe Herr“. Derselbe Gott, der schon David begegnete, ist auch heute derselbe. Nicht Gott hat sich verändert – wir haben uns von ihm entfernt.
Dabei ist Gottes Einladung erstaunlich schlicht: „…reich für alle, die ihn anrufen.“ Es gibt bei Gott keinen Automatismus. Er möchte angerufen werden. Nicht wie ein Wunschautomat, der unsere Bedürfnisse erfüllt, sondern wie ein guter Vater, der seinen Kindern nahe sein will, ihnen Weisheit schenkt und sie durch ihr Leben führt.
Vielleicht sollten wir deshalb nicht zuerst fragen, wie wir all unsere gesellschaftlichen Probleme selbst lösen können. Vielleicht sollten wir wieder lernen, Gott zu fragen. Ihn anzurufen. Ihm unser Leben anzuvertrauen.
Wo habe ich aufgehört, Gott wirklich als meinen Herrn zu suchen? Worauf vertraue ich stattdessen? Heute könnte ein guter Tag sein, wieder bewusst zu ihm umzukehren – im Gebet, in seinem Wort und in der täglichen Gemeinschaft mit ihm.
Ich bete heute: Herr, unser Gott, wir bekennen, dass wir oft meinen, aus eigener Kraft leben und alles selbst in Ordnung bringen zu können. Vergib uns, wo wir dich aus unserem Alltag verdrängt haben. Lehre uns neu, dich anzurufen und dir zu vertrauen. Schenke uns Weisheit, Demut und ein hörendes Herz. Sei du unser Herr – über unserem persönlichen Leben, über unseren Familien und über unserem Land. Lass uns erkennen, dass wir bei dir wirklich finden, was uns trägt. Amen.
Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern einen gesegneten Tag
Herzliche Grüße, Pastor Michael Röschard

