Gott suchen und ihm die Tür öffnen
Der HERR ist freundlich dem, der auf ihn harrt, und dem Menschen, der nach ihm fragt.
Klagelieder 3,25
Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hören wird und die Tür auftun, zu dem werde ich hineingehen und das Abendmahl mit ihm halten und er mit mir.
Offenbarung 3,20
Liebe Leserin, lieber Leser,
warten fällt uns nicht leicht. Wir wünschen uns Antworten, Hilfe und manchmal einfach die Gewissheit, dass Gott da ist. Doch gerade in Zeiten, in denen wir ihn nicht deutlich spüren, lädt uns die Bibel ein, nach ihm zu fragen und auf ihn zu hoffen.
Der Vers aus den Klageliedern steht in einem Buch, das die Zerstörung Jerusalems und das Leid des Volkes beklagt. Es ist ein erschütternder Text voller Schmerz, Trauer und Fragen. Doch mitten in dieser Klage erinnert sich der Verfasser an Gottes Barmherzigkeit und Treue: Seine Gnade ist jeden Morgen neu (Klagelieder 3,22–23). Aus dieser Hoffnung wächst die Zuversicht, dass Gott freundlich ist zu denen, die auf ihn warten und ihn suchen. Das bedeutet nicht, dass Leid schnell verschwindet. Aber selbst in dunklen Zeiten dürfen wir uns Gott zuwenden und mit seiner Treue rechnen.
Auch das Bild Jesu, der an eine Tür klopft, wird oft als persönliche Einladung verstanden. Im ursprünglichen Zusammenhang richtet sich Offenbarung 3,20 an die Gemeinde in Laodizea. Sie hält sich für reich und unabhängig, ist aber geistlich arm und merkt es nicht. Jesus ruft sie zur Umkehr. Er steht vor der Tür und sucht Gemeinschaft mit Menschen, die ihn wieder einlassen. Das Bild ist also zunächst eine ernste Einladung an eine selbstzufriedene Gemeinde – und zugleich ein bewegendes Zeichen dafür, dass Jesus Gemeinschaft mit uns sucht.
Beide Verse gehören zusammen: Wir warten auf Gott, und zugleich wartet Jesus gewissermaßen darauf, dass wir ihm die Tür öffnen. Wir müssen ihn nicht durch besondere Leistungen beeindrucken. Wir dürfen ihn suchen, mit unseren Fragen zu ihm kommen und ihm Raum in unserem Leben geben.
Vielleicht klopft Jesus heute durch ein Bibelwort, eine Begegnung oder einen stillen Gedanken an. Ob wir seine Stimme hören, hängt nicht immer von großen Gefühlen ab. Manchmal beginnt die Gemeinschaft mit ihm ganz schlicht: indem wir innehalten und uns ihm zuwenden.
Wo halte ich die Tür meines Herzens verschlossen? Vielleicht aus Sorge, Enttäuschung oder weil mein Alltag keinen Raum lässt. Ich möchte heute bewusst Zeit für Gott nehmen, auf sein Wort hören und ihm meine Gedanken anvertrauen.
Ich bete heute: Herr Jesus Christus, danke, dass du mich suchst und Gemeinschaft mit mir haben möchtest. Hilf mir, deine Stimme zu hören und dir die Tür zu öffnen. Schenke mir Geduld im Warten und Vertrauen, wenn ich dich nicht deutlich spüre. Lass mich deine Freundlichkeit erfahren und in deiner Nähe leben. Amen.
Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern einen gesegneten Tag
Herzliche Grüße, Pastor Michael Röschard

