Nicht mehr fremd – bei Gott zu Hause
Der HERR hat offenbart seinen heiligen Arm vor den Augen aller Völker, dass aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes.
Jesaja 52,10
Ihr seid also nicht mehr Fremde ohne Bürgerrecht, ihr seid vielmehr Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes.
Epheser 2,19
Liebe Leserin, lieber Leser,
Fremd sein – wer kennt dieses Gefühl nicht? Man steht irgendwo dabei und gehört doch nicht richtig dazu. Man fühlt sich unverstanden, nicht wahrgenommen oder fragt sich, wo man eigentlich hingehört. Wie wohltuend ist es dann, willkommen zu sein und einen Platz zu finden, an dem man angenommen wird. Genau davon sprechen diese beiden Bibelworte: Gott will nicht, dass Menschen auf Dauer fern von ihm bleiben. Er öffnet ihnen einen Weg zu sich.
Der Prophet Jesaja spricht im Zusammenhang mit der Hoffnung auf die Befreiung Jerusalems. Das Volk hat Leid, Verschleppung und Fremdherrschaft erlebt. Doch Gott hat es nicht vergessen. Mit seinem „heiligen Arm“ wird sein machtvolles Eingreifen beschrieben: Er will Rettung schaffen, und diese soll nicht verborgen bleiben. Alle Völker sollen erkennen, dass Gott sein Volk befreit und sein Heil sichtbar werden lässt. Gottes Handeln reicht damit über die Grenzen Israels hinaus.
Paulus greift im Epheserbrief diesen weiten Horizont auf. Zuvor erklärt er, dass Christus Frieden geschaffen und die trennende Wand zwischen Juden und Heiden überwunden hat. Durch Jesus dürfen Menschen, die vorher nicht zum Volk Gottes gehörten, nun dazugehören. Sie sind nicht länger Fremde ohne Bürgerrecht, sondern Mitbürger und Hausgenossen Gottes. Dieses neue Zuhause entsteht nicht durch Herkunft, Leistung oder besondere Verdienste, sondern durch Gottes Gnade und den Glauben an Christus.
Was für eine Verheißung! Bei Gott müssen wir uns unseren Platz nicht verdienen. Wir dürfen kommen, wie wir sind, und durch Christus zu ihm gehören. Und diese Zugehörigkeit verbindet uns auch miteinander: Wer bei Gott zu Hause ist, soll anderen nicht die Tür verschließen.
Wenn ich mich heute fremd, einsam oder nicht gut genug fühle, möchte ich mich daran erinnern, dass Gott mir in Christus einen Platz schenkt. Ich muss mir seine Liebe nicht erarbeiten. Zugleich will ich darauf achten, ob Menschen in meinem Umfeld sich ausgeschlossen fühlen. Vielleicht kann ich durch ein offenes Ohr, eine Einladung oder ein freundliches Wort jemandem zeigen: Du bist willkommen. So kann etwas von Gottes weitem Herzen sichtbar werden.
Darum bete ich heute: Gütiger Gott, danke, dass du uns durch Jesus Christus zu dir einlädst. Wenn wir uns fremd oder ausgeschlossen fühlen, erinnere uns daran, dass wir bei dir zu Hause sein dürfen. Öffne auch unsere Herzen für Menschen, die am Rand stehen. Hilf uns, deine Liebe weiterzugeben und anderen einen Platz zu schenken. Amen.
Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern einen gesegneten Tag
Herzliche Grüße, Pastor Michael Röschard

