Wenn sich die Verheißung hinzieht

 

Die Weissagung wird ja noch erfüllt werden zu ihrer Zeit. Wenn sie sich auch hinzieht, so harre ihrer.

Habakuk 2,3

 

Siehe, der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde und ist dabei geduldig, bis sie empfange den Frühregen und Spätregen.

Jakobus 5,7


Liebe Leserin, lieber Leser,

warten fällt uns schwer. Besonders dann, wenn wir auf etwas hoffen, von dem wir wissen: Es wird kommen – aber wir wissen nicht wann. Genau davon sprechen diese beiden Bibelverse.


Habakuk lebt in einer Zeit großer Ungerechtigkeit. Er klagt Gott sein Leid: Warum lässt du das Böse zu? Warum greift Gott nicht ein? Der Prophet ringt mit Gott und wartet auf seine Antwort. In Kapitel 2 stellt er sich auf die Warte und empfängt Gottes Zusage. „Die Weissagung“ bezieht sich zunächst auf das, was Gott Habakuk über das kommende Gericht und seine weitere Geschichte offenbart. Gottes Plan wird sich erfüllen – zu seiner Zeit. Der Prophet soll nicht aufgrund des langen Wartens meinen, Gottes Wort sei hinfällig geworden. Was Gott zugesagt hat, wird eintreffen.


Für uns Christen bekommt dieser Gedanke eine noch weiterreichende Bedeutung. Wir warten auf die Wiederkunft unseres Herrn Jesus Christus. Auch diese Verheißung scheint sich zu „ziehen“. Petrus erklärt später, dass Gottes Zeitmaß anders ist als unseres und dass die scheinbare Verzögerung mit Gottes Geduld verbunden ist (2. Petrus 3,8–9).


Das Bild vom Bauern bei Jakobus passt wunderbar dazu. Der Bauer sät und kann die Frucht nicht erzwingen. Er wartet geduldig auf den Regen und auf die Ernte. Der Frühregen und Spätregen waren im Land Israel für die Landwirtschaft lebenswichtig: Der Frühregen half bei der Aussaat, der Spätregen bereitete die Ernte vor. Jakobus verwendet dieses Bild zunächst, um Christen zur Geduld zu ermutigen: „Seid auch ihr geduldig … denn die Ankunft des Herrn ist nahe“ (Jakobus 5,8).


Tatsächlich wird das Bild von Früh- und Spätregen an anderer Stelle auch prophetisch gebraucht. In Joel 2 wird der Regen im Zusammenhang mit Gottes zukünftigem Handeln und der Ausgießung seines Geistes erwähnt. Aber in Jakobus 5 steht vor allem die Geduld im Warten auf die Wiederkunft Christi im Mittelpunkt. Der Regen ist dort zunächst ein Bild für geduldiges Warten auf die von Gott bestimmte Zeit.


Vielleicht müssen wir lernen, Gottes Zeit nicht mit unserer Uhr zu messen. Dass Christus noch nicht wiedergekommen ist, bedeutet nicht, dass seine Verheißung vergessen wäre. Die Ernte kommt.


Ich darf warten, ohne hoffnungslos zu werden. Vielleicht gibt es auch in meinem Leben Verheißungen und Gebete, deren Erfüllung sich hinzieht. Ich kann sie Gott anvertrauen. Und über allem steht die große Hoffnung: Jesus kommt wieder. Ich weiß nicht wann. Aber ich darf wissen, dass Gott seine Zeit kennt.


Darum bete ich heute: Herr Jesus Christus, schenke mir Geduld, wenn sich etwas hinzieht. Bewahre mich davor, deine Verheißungen aus den Augen zu verlieren. Stärke meine Hoffnung auf deine Wiederkunft. Hilf mir, treu zu bleiben, während ich warte. Lass mich darauf vertrauen, dass deine Zeit immer die richtige Zeit ist. Amen.


Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern einen gesegneten Tag

Herzliche Grüße, Pastor Michael Röschard