Getragen – und weitergetragen

 

Der HERR spricht: Ihr habt gesehen, wie ich euch getragen habe auf Adlerflügeln und euch zu mir gebracht.

2. Mose 19,4

 

Auf Gott hoffen wir, er werde uns auch hinfort erretten.

2. Korinther 1,10

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

manchmal erkennen wir Gottes Tragen erst im Rückblick. Während wir mitten in einer schweren Zeit stehen, sehen wir vielleicht nur die Sorgen, die offenen Fragen und die eigene Kraftlosigkeit. Doch wenn wir zurückschauen, entdecken wir Spuren seiner Treue: Da war eine Tür, die sich unerwartet öffnete. Ein Mensch, der im richtigen Augenblick da war. Neue Kraft für einen weiteren Tag. Oder ein Frieden im Herzen, den wir uns selbst nicht erklären konnten.


Gott erinnert sein Volk Israel daran: „Ich habe euch getragen auf Adlerflügeln.“ Er sagt nicht: Ihr habt es aus eigener Kraft geschafft. Er sagt: Ich habe euch getragen. Und noch etwas ist wichtig: Gott trägt uns nicht nur aus Schwierigkeiten heraus, sondern er trägt uns „zu sich“. „… und euch zu mir gebracht.“ Das ist sein eigentliches Ziel. In allem, was wir erleben, möchte er uns näher an sein Herz ziehen.


Auch Paulus hatte schwere Erfahrungen gemacht. Er wusste, was Angst, Bedrängnis und menschliche Schwachheit bedeuten. Doch aus der Erfahrung vergangener Hilfe wächst sein Vertrauen für die Zukunft: Gott hat errettet – und deshalb hoffen wir darauf, dass er uns auch weiterhin erretten wird.


Das darf auch meine Hoffnung sein. Vielleicht weiß ich heute nicht, wie eine bestimmte Situation ausgehen wird. Vielleicht liegt ein Weg vor mir, den ich mir nicht ausgesucht hätte. Aber ich darf zurückschauen und mich fragen: Wo hat Gott mich bisher getragen?


Seine Treue von gestern wird zur Ermutigung für mein Heute. Ich muss nicht wissen, wie alles werden wird. Es genügt, den zu kennen, der mich trägt.

Darum darf ich meine Zukunft vertrauensvoll in Gottes Hände legen. Derselbe Herr, der mich bis hierhergebracht hat, geht auch morgen mit mir. Seine Adlerflügel sind nicht zu schwach geworden. Seine Liebe hat sich nicht verändert.


Darum bete ich heute: Herr, mein Gott, ich danke Dir, dass Du mich bis heute getragen hast. Vergib mir, wo ich Deine Hilfe vergessen und nur auf meine Sorgen geschaut habe. Öffne mir die Augen für die Spuren Deiner Treue in meinem Leben. Wenn ich Angst vor dem Morgen habe, erinnere mich daran, dass meine Zukunft in Deinen Händen liegt. Trage mich auch durch das, was vor mir liegt, und ziehe mich dabei immer näher zu Dir. Schenke mir das Vertrauen: Du hast geholfen, Du hilfst heute, und Du wirst mich auch weiterhin nicht verlassen. Amen.


Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern, einen gesegneten Tag

Herzliche Grüße, Pastor Michael Röschard