LichtBlick des Tages


Wenn Gottes Taten sichtbar werden

 

HERR, du lässest mich fröhlich singen von deinen Werken, und ich rühme die Taten deiner Hände.

Psalm 92,5


Der Gelähmte sprang auf, konnte stehen und gehen und ging mit ihnen in den Tempel, lief und sprang umher und lobte Gott.

Apostelgeschichte 3,8


Liebe Leserin, lieber Leser,

diese beiden Bibelworte stehen in unterschiedlicher Zeit, doch sie erzählen dieselbe Wahrheit: Wo Gott handelt, bricht Lob hervor. Der Psalmist beschreibt eine innere Bewegung – Freude über Gottes Werke, Dankbarkeit, die sich in Gesang und Lob ausdrückt. In der Apostelgeschichte wird diese Wahrheit plötzlich greifbar, sichtbar, ja körperlich: Ein Mensch, der jahrelang gelähmt war, steht auf, läuft, springt und lobt Gott. Sein ganzer Leib wird zum Ausdruck dessen, was der Psalm bekennt.


Der Gelähmte verkörpert den Psalm 92 mit seinem ganzen Sein. Er singt nicht nur mit Worten – sein Leben selbst wird zum Lob Gottes. Das, was Gott getan hat, lässt sich nicht zurückhalten. Freude sucht sich ihren Weg. Lob wird Bewegung. Dank wird Zeugnis. Alle, die ihn sehen, erkennen: Hier hat Gott gehandelt.


Beide Texte machen deutlich: Lob entsteht nicht aus perfekten Umständen, sondern aus der Erfahrung von Gottes Eingreifen. Der Gelähmte lobt nicht, weil sein Leben leicht war – im Gegenteil. Gerade aus der Tiefe heraus wird Gottes Tat umso größer. So verbindet sich das Alte und das Neue Testament: Der Psalm gibt den inneren Ton an, die Apostelgeschichte zeigt die lebendige Erfüllung.


Auch wir erleben Zeiten, in denen Angst, Resignation, Schuld, Hoffnungslosigkeit oder tiefe Erschöpfung unser Herz beschweren und uns sprichwörtlich „lähmen“. Es gibt Momente, in denen uns die Kraft fehlt, voranzugehen, und wir das Gefühl haben, innerlich stehen geblieben zu sein, während um uns herum alles weiterläuft. Manches hält uns fest, lässt uns sitzen bleiben, während das Leben weitergeht.

 

Diese Texte laden uns ein, Gott genau dort zu vertrauen. Gerade dort, wo Worte fehlen und Wege unklar sind, wenden sich diese Texte uns zu wie eine stille Einladung: Gott ist da. Er sieht, was schwer auf uns liegt. Und wo er uns berührt, wo er aufrichtet, tröstet oder neue Hoffnung schenkt, darf Lob wachsen – nicht aus Pflicht, sondern aus Dankbarkeit, manchmal ganz leise, manchmal mit neuer Freude.


Vielleicht springst du nicht körperlich vor Freude. Aber vielleicht darfst du neu danken. Vielleicht darfst du wieder singen, hoffen oder Schritte wagen, die vorher unmöglich schienen. Dein Leben selbst kann zum Lob werden, wenn du Gottes Wirken Raum gibst.


Darum bete ich heute: Herr, du Gott der lebendig macht, du siehst was mich „lähmt“ und meine Sehnsucht nach Heilung. Ich danke dir für die Taten deiner Hände – in der Bibel und in meinem eigenen Leben. Öffne mir doch neu die Augen für dein Wirken und mein Herz für den Lobpreis. Lass mein Leben ein Zeugnis deiner Gnade sein.

Amen.


Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern, einen gesegneten Tag!

Herzliche Grüße, Pastor Michael Röschard