Rede, HERR – ich will hören

 

Rede, HERR, denn dein Knecht hört.

1. Samuel 3,9

 

Wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Felsen baute.

Matthäus 7,24

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

„Rede, HERR, denn dein Knecht hört.“ Was für ein schöner Satz. Und gleichzeitig merken wir vielleicht: Mit dem Hören ist es gar nicht so einfach.

Schon am frühen Morgen beginnt es. Der Wecker klingelt, das Handy liegt vielleicht schon bereit, Nachrichten wollen gelesen werden, Termine gehen uns durch den Kopf. Was muss heute erledigt werden? Was darf ich nicht vergessen? Dazu kommen Gespräche, Geräusche, Nachrichten und die vielen Gedanken, die in uns selbst entstehen. Unser Tag ist voller Stimmen.


Und mitten in diesem Stimmengewirr spricht auch Gott.


Samuel musste erst lernen, Gottes Stimme zu erkennen. Als er seinen Namen hörte, wusste er zunächst gar nicht, dass der HERR zu ihm sprach. Eli half ihm, diese Stimme einzuordnen: „Wenn er dich wieder ruft, dann sprich: Rede, HERR, denn dein Knecht hört.“

 

Auch Jesus spricht vom Hören. Doch er verbindet das Hören mit dem Tun. Wer seine Worte hört und danach lebt, gleicht einem Menschen, der sein Haus auf Felsen baut. Gottes Wort soll also nicht einfach nur an uns vorbeiziehen. Es darf unserem Leben Halt geben.


Dabei geht es überhaupt nicht darum, uns ein schlechtes Gewissen zu machen. Es geht nicht um einen erhobenen Zeigefinger: „Du müsstest mehr beten, mehr Bibel lesen und besser zuhören!“ Jesus möchte uns keine zusätzliche Last auflegen. Im Gegenteil: Er lädt uns ein, bei ihm zur Ruhe zu kommen. Inmitten unseres vollen Tages dürfen wir immer wieder innehalten und sagen: „Herr, hier bin ich. Rede du zu mir.“


Vielleicht kann ich meinen Tag nicht völlig verändern. Aber ich kann kleine Inseln schaffen, in denen ich bewusst auf Jesus höre. Vielleicht am Morgen, bevor das Handy und die vielen Aufgaben meinen Kopf füllen. Vielleicht auch mitten im Tag, für einen kurzen Moment. Nicht aus Pflicht, sondern aus Sehnsucht nach seiner Nähe.


Und wenn ich merke, dass ich wieder einmal völlig abgelenkt war? Dann darf ich einfach neu anfangen. Ohne Schuldgefühle. Jesus ist geduldig. Er wartet nicht mit einem erhobenen Zeigefinger, sondern mit offenen Armen.


Darum bete ich heute: Herr Jesus, danke, dass du zu mir redest und dass du mich nicht unter Druck setzt. Schenke mir mitten in meinem vollen Alltag immer wieder Momente der Stille. Hilf mir, deine Stimme wahrzunehmen und deinem Wort zu vertrauen. Wenn ich abgelenkt bin, lass mich einfach neu zu dir kommen. Lass dein Wort mein Fundament sein und führe mich Schritt für Schritt durch diesen Tag. Amen.


Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern einen gesegneten Tag

Herzliche Grüße, Pastor Michael Röschard