Für alles danken – wirklich für alles?
Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.
Psalm 103,2
Sagt Dank Gott, dem Vater, allezeit für alles, im Namen unseres Herrn Jesus Christus.
Epheser 5,20
Liebe Leserin, lieber Leser,
die Worte der heutigen Bibelverse sind eigentlich sehr eindeutig, oder? „Allezeit für alles“ sollen wir Gott danken. Wenn wir ein wenig genauer hinschauen, kommt vielleicht die Frage auf: Wirklich für alles?
Für das tägliche Brot, einen Schlafplatz, ein Dach über dem Kopf, Kleidung, Familie, Freunde und all die kleinen und großen Dinge, die unser Leben bereichern, fällt uns das Danken leicht. Aber wie sieht es mit den dunklen Zeiten aus? Mit finanziellen Verlusten, Krankheit, Enttäuschungen oder Sorgen? Wirklich auch dafür danken?
Interessant ist, dass David in Psalm 103 seine eigene Seele auffordert: „Vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“ Als müsste er sich selbst daran erinnern, Gottes Wohltaten nicht aus dem Blick zu verlieren. Vielleicht kennen wir das auch: Das Schwere ist manchmal so laut, dass wir das Gute schnell vergessen. Gerade deshalb ist es wichtig, bewusst zurückzuschauen und uns daran zu erinnern, wie oft Gott uns schon getragen, bewahrt, vergeben und geholfen hat.
Paulus schreibt nicht: „Dankt Gott allezeit für das Schöne.“ Er schreibt: „für alles“. Das bedeutet nicht, dass wir Krankheit, Leid oder Verlust schönreden sollen. Es bedeutet vielmehr, dass wir darauf vertrauen dürfen, dass Gott auch über diesen Dingen steht. Er schenkt uns nicht nur die guten Tage. Manches Schwere lässt er zu – und manchmal können gerade diese Zeiten dazu führen, dass wir seine Nähe ganz neu suchen.
Denn sind wir nicht manchmal versucht zu denken: „Das schaffe ich schon allein“? Wenn es uns gut geht, kann der Glanz dieser Welt uns schnell von Gott weglocken. Erst wenn uns das Wasser bis zum Hals steht, erinnern wir uns wieder daran, dass wir ihn brauchen.
Dabei möchte Jesus nicht nur unser Nothelfer sein. Er möchte mitten in unserem Alltag dabei sein – mit allem, was uns bewegt. Ich spreche mit Jesus sogar über Dinge, die ich verlegt habe. Vielleicht mag jemand darüber schmunzeln. Aber für mich bedeutet es: Ich möchte Jesus in alle Entscheidungen und in alles, was mich beschäftigt, mit einbeziehen.
Das gelingt mir nicht jeden Tag gleich gut. Besonders dann nicht, wenn mich alte Sünden wieder einholen oder ein Verhalten, von dem ich dachte, ich hätte es längst abgelegt. Gerade dann möchte ich dennoch danken: dafür, dass Jesus mich gerettet hat, dass er mich nicht aufgibt und dass sein Geist in mir Veränderung bewirkt.
Für alles danken heißt vielleicht nicht, für alles dankbar zu sein, was geschieht. Es heißt, auch in allem darauf zu vertrauen, dass Gott da ist.
Darum bete ich heute: Herr Jesus, danke, dass du in meinem Leben bist. Danke für alles Gute, dass du mir schenkst, aber auch dafür, dass du mich in schweren Zeiten nicht allein lässt. Hilf mir, dir allezeit zu vertrauen und dich in meinen Alltag einzubeziehen. Wenn ich falle, erinnere mich daran, dass du mich nicht loslässt. Verändere mich durch deinen Geist und lehre mich, auch in schwierigen Zeiten deine Nähe zu suchen. Amen.
Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern einen gesegneten Tag
Herzliche Grüße, Pastor Michael Röschard

