Stillstehen, um den richtigen Weg zu erkennen

 

Samuel sprach zu Saul: Du aber steh jetzt still, dass ich dir kundtue, was Gott gesagt hat.

1. Samuel 9,27

 

Jesus sprach zu Simon und Andreas: Kommt, folgt mir nach; ich will euch zu Menschenfischern machen!

Markus 1,17


Liebe Leserin, lieber Leser,

stillstehen – das haben wir oft verlernt. Wir treiben uns an und gehen durch den Alltag, als gäbe es kein Morgen. Termine, Verpflichtungen und Erwartungen bestimmen unseren Rhythmus. Wir kommen kaum noch zum Atmen und sind ständig erreichbar. Selbst im Auto nutzen wir die Freisprecheinrichtung, damit wir jederzeit telefonieren können. Alles scheint dringlich. Aber ist es auch wichtig? Manchmal werden wir so sehr gelebt, dass wir kaum noch bewusst wahrnehmen, wofür wir eigentlich leben.


In 1. Samuel 9 geht es um Saul, der auf der Suche nach den verlorenen Eselinnen seines Vaters ist. Dabei begegnet er Samuel, dem Propheten. Saul ahnt noch nicht, dass Gott ihn zum König über Israel erwählt hat. Kurz bevor Samuel ihm diese Botschaft mitteilt, fordert er ihn auf, stehen zu bleiben und Gottes Wort zu hören. Saul soll nicht einfach weiterlaufen. Er muss innehalten, still stehen, damit er versteht, was Gott mit ihm vorhat.

 

Auch Jesus ruft Menschen aus ihrem gewohnten Alltag heraus. In Markus 1 sind Simon und Andreas bei ihrer Arbeit als Fischer, als Jesus ihnen begegnet. Er verspricht ihnen keine Karriere, kein größeres Einkommen und keinen höheren gesellschaftlichen Status. Seine Einladung lautet: „Kommt, folgt mir nach!“ Sie sollen Menschenfischer werden und Menschen mit Gottes Botschaft erreichen. Was zunächst wie ein unscheinbarer Schritt aussieht, bekommt eine Bedeutung, die weit über ihr bisheriges Leben hinausreicht.


Natürlich müssen wir arbeiten, Geld verdienen und Verantwortung übernehmen. Doch muss es immer höher, schneller und weiter gehen? Was bleibt am Ende wirklich? Vielleicht dürfen wir lernen, mit einem gewissen Maß an Zufriedenheit zu leben, statt ständig dem nächsten Ziel hinterherzujagen.


Was bedeutet das für mich persönlich? Ich möchte bewusst Zeiten schaffen, in denen ich still werde und auf Gottes Wort höre. Ich will prüfen, welche Termine und Wünsche wirklich wichtig sind. Vielleicht kann ich auf manches verzichten, um mehr Zeit für Menschen zu haben, die Ermutigung, Hilfe oder Gottes gute Nachricht brauchen. Denn nicht alles, was Zeit kostet, hat Ewigkeitswert – aber Menschen sind Gott wichtig.


Darum bete ich heute: Herr Jesus, hilf mir, in der Hektik des Alltags still zu werden und deine Stimme zu hören. Zeige mir, was wirklich wichtig ist. Bewahre mich davor, nur meinen eigenen Zielen nachzujagen. Schenke mir Mut, dir zu folgen und Zeit in Menschen zu investieren. Lass mein Leben Frucht bringen, die für die Ewigkeit zählt. Amen.


Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern einen gesegneten Tag

Herzliche Grüße, Pastor Michael Röschard