Hoffen, wenn wir noch nichts sehen


Harre des HERRN! Sei getrost und unverzagt und harre des HERRN!

Psalm 27,14

 

Marta sprach zu Jesus: Herr, wärst du hier gewesen, mein Bruder wäre nicht gestorben. Aber auch jetzt weiß ich: Was du bittest von Gott, das wird dir Gott geben.

Johannes 11,21–22

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

wie oft stehen wir vor Situationen, die wir nicht verstehen. Wir beten, hoffen und warten auf Gottes Eingreifen – und doch scheint es, als würde nichts geschehen. Genau in solche Erfahrungen hinein spricht Psalm 27: „Harre des HERRN!“ Warten auf Gott bedeutet nicht passives Ausharren, sondern ein vertrauensvolles Festhalten an seiner Treue. Der Psalmist fordert uns auf, mutig zu bleiben und nicht aufzugeben, auch wenn die Antwort Gottes noch aussteht.


Marta kannte diese Spannung. Ihr Bruder Lazarus war gestorben, obwohl Jesus über seine Krankheit informiert worden war. Aus menschlicher Sicht war Jesus zu spät gekommen. In ihren Worten hören wir Enttäuschung und Schmerz: „Herr, wärst du hier gewesen, mein Bruder wäre nicht gestorben.“ Doch bemerkenswert ist, dass Marta nicht bei ihrer Enttäuschung stehen bleibt. Sie fügt hinzu: „Aber auch jetzt weiß ich …“ Das ist der Klang des Glaubens. Obwohl sie die Situation nicht versteht, hält sie an Jesus fest.

 

Gott handelt nicht immer nach unserem Zeitplan. Manchmal scheint eine Tür verschlossen, eine Gebetserhörung auszubleiben oder eine Hoffnung begraben zu sein. Doch gerade dann ruft uns Gottes Wort dazu auf, mutig zu vertrauen. Für Jesus war die Geschichte von Lazarus nicht zu Ende. Wo Menschen das Ende sehen, sieht Gott oft erst den Anfang seines Handelns.


Vielleicht wartest du gerade auf eine Antwort Gottes. Vielleicht trägst du eine Last, eine Sorge oder eine Enttäuschung mit dir. Dann darfst du heute von Marta lernen: Sprich ehrlich mit Jesus über deinen Schmerz, aber halte zugleich an seinem Wesen fest. Sage ihm nicht nur, was verloren scheint, sondern auch: „Aber auch jetzt weiß ich, dass du handeln kannst.“ Gottes Möglichkeiten enden nicht dort, wo unsere Möglichkeiten aufhören.


Darum bete ich heute: Herr Jesus Christus, danke, dass du auch in meinen schwierigen Zeiten gegenwärtig bist. Vergib mir, wenn Ungeduld, Zweifel oder Entmutigung mein Herz bestimmen. Schenke mir die Zuversicht des Psalmisten und den Glauben der Marta. Hilf mir, auf dein Handeln zu warten und dir auch dann zu vertrauen, wenn ich deinen Weg nicht verstehe. Stärke mein Herz und erfülle mich mit neuer Hoffnung. Ich glaube, dass dir nichts unmöglich ist. In deiner Hand ist meine Zukunft geborgen. Amen.


Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern, einen gesegneten Tag

Herzliche Grüße, Pastor Michael Röschard