Treu bleiben in müden Zeiten

 

Seid getrost und lasst eure Hände nicht sinken; denn euer Werk hat seinen Lohn.

2. Chronik 15,7

 

Da sprach sein Herr zu ihm: Recht so, du guter und treuer Knecht, du bist über wenigem treu gewesen, ich will dich über viel setzen; geh hinein zu deines Herrn Freude!

Matthäus 25,21


Liebe Leserin, lieber Leser,

wir leben in einer Zeit, in der viele Menschen müde geworden sind. Die täglichen Nachrichten berichten von Kriegen, Krisen, Ungerechtigkeit und Unsicherheit. Dazu kommen persönliche Belastungen, Sorgen um die Zukunft und manche Enttäuschungen im Glaubensleben. Manchmal stellt sich die Frage: Lohnt es sich überhaupt noch, treu weiterzugehen? Macht mein kleiner Einsatz überhaupt einen Unterschied?


In eine solche Situation hinein spricht das Wort aus 2. Chronik: „Seid getrost und lasst eure Hände nicht sinken.“ Diese Worte wurden einem Volk zugesprochen, das nach einer Zeit des geistlichen Niedergangs wieder den Weg zu Gott suchte. Gott wusste um ihre Schwachheit, und doch ermutigte er sie, nicht aufzugeben. Nicht die Größe ihrer Kraft war entscheidend, sondern die Treue ihres Herzens.

 

Auch Jesus greift diesen Gedanken im Gleichnis von den anvertrauten Talenten auf. Der Herr lobt seinen Knecht nicht für außergewöhnliche Erfolge, sondern für seine Treue. „Du bist über wenigem treu gewesen.“ Das bedeutet: Gott misst unser Leben nicht zuerst an sichtbaren Ergebnissen, sondern an unserer Bereitschaft, ihm Tag für Tag zu vertrauen und zu dienen.


Gerade in Zeiten der Erschöpfung ist das eine wichtige Botschaft. Gott erwartet nicht, dass wir die Welt retten. Diese Aufgabe hat er nie in unsere Hände gelegt. Er ruft uns vielmehr dazu auf, an dem Platz treu zu sein, an den er uns gestellt hat. Vielleicht erscheint unser Dienst klein und unscheinbar. Vielleicht sehen wir kaum Früchte. Doch Gott sieht jeden Schritt des Gehorsams, jedes Gebet, jedes Wort der Ermutigung und jede Tat der Liebe.


Die Verheißung lautet: Unser Werk ist nicht vergeblich. Gott vergisst nichts, was aus Liebe zu ihm getan wird. Und am Ende steht nicht Erschöpfung und Enttäuschung, sondern die Freude unseres Herrn. Dort wird sichtbar werden, dass jede Treue ihren Wert hatte.


Wenn ich auf die Welt und ihre Nöte schaue, spüre ich manchmal Müdigkeit und Mutlosigkeit. Dann möchte ich mich an Gottes Zusage erinnern: Meine Aufgabe ist nicht, alles zu tragen, sondern treu zu bleiben. Heute darf ich den nächsten Schritt gehen, den Gott mir zeigt. Ich darf beten, dienen, lieben und hoffen – im Vertrauen darauf, dass Gott selbst das Ergebnis in seinen Händen hält. Er sieht mein Mühen und wird es zur rechten Zeit belohnen.


Ich bete heute: Herr Jesus Christus, du kennst die Lasten, die wir tragen, und die Müdigkeit, die uns manchmal erfasst. Wenn wir angesichts der Ereignisse in dieser Welt mutlos werden, dann richte unseren Blick auf dich. Schenke uns neue Kraft, damit unsere Hände nicht sinken. Bewahre uns vor Resignation und hilf uns, in den kleinen und großen Aufgaben unseres Alltags treu zu bleiben. Danke, dass kein Dienst, kein Gebet und keine Tat der Liebe vor dir verborgen ist. Lass uns auf den Tag hoffen, an dem wir deine Freude sehen und deine Stimme hören dürfen: „Recht so, du guter und treuer Knecht.“ Amen.


Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern, einen gesegneten Tag

Herzliche Grüße, Pastor Michael Röschard