Wenn wir nicht mehr weiterwissen


Ist denn die Hand des HERRN zu kurz?

4. Mose 11,23

 

Die Jünger sprachen untereinander: Wer ist der, dass ihm Wind und Meer gehorsam sind!

Markus 4,41

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

manchmal geraten wir in Situationen, in denen wir nicht mehr weiterwissen. Wir suchen nach Lösungen, überlegen, bitten um Hilfe – und doch scheint sich nichts zu verändern. Dann kann sich die Frage einschleichen: Kann Gott hier überhaupt noch helfen? Ist meine Not vielleicht zu groß? Gottes Wort stellt uns eine Gegenfrage: „Ist denn die Hand des HERRN zu kurz?“


Der Vers aus 4. Mose steht in der Geschichte der Wüstenwanderung Israels. Das Volk beklagt sich über seine Versorgung und sehnt sich nach dem Essen zurück, das es in Ägypten hatte. Selbst Mose ist überfordert. Wie soll er für ein so großes Volk Fleisch beschaffen? Da verheißt Gott, dass er das Volk versorgen wird. Mose kann sich kaum vorstellen, wie das geschehen soll. Gott erinnert ihn daran, dass seine Macht nicht an menschlichen Grenzen endet. Die Frage nach seiner Hand ist eine Frage nach seiner Fähigkeit, sein Wort zu erfüllen. Gott lässt Mose nicht mit seiner Überforderung allein.

 

Auch die Jünger erleben eine Situation, in der ihre Möglichkeiten erschöpft sind. In Markus 4 geraten sie mit Jesus auf dem See Genezareth in einen heftigen Sturm. Die Wellen schlagen ins Boot, während Jesus schläft. Voller Angst wecken sie ihn. Jesus gebietet dem Wind und dem Wasser, und plötzlich kehrt Stille ein. Die Jünger sind erschrocken und fragen: „Wer ist der, dass ihm Wind und Meer gehorsam sind?“ Sie beginnen zu erkennen, dass Jesus mehr ist als ein gewöhnlicher Lehrer. In ihm begegnet ihnen eine Macht, die sie nicht erklären können.


Beide Geschichten führen uns zu einer entscheidenden Frage: Wie groß ist unser Gott – gerade dann, wenn unsere eigene Kraft nicht mehr ausreicht? Das bedeutet nicht, dass jedes Problem sofort verschwindet oder Gott immer so handelt, wie wir es erwarten. Aber unsere Grenzen sind nicht automatisch seine Grenzen. Und selbst im Sturm dürfen wir uns an Jesus wenden.


Wo stehe ich gerade vor einer scheinbar unlösbaren Aufgabe? Vielleicht darf ich meine Sorgen neu in Gottes Hände legen. Ich muss nicht schon wissen, wie er helfen wird. Ich darf den nächsten Schritt gehen und darauf vertrauen, dass er mich begleitet.


Ich bete heute: Herr, wenn ich keinen Ausweg sehe, stärke mein Vertrauen. Erinnere mich daran, dass deine Hand nicht zu kurz ist. Hilf mir, meine Angst vor dich zu bringen und auch im Sturm auf Jesus zu schauen. Schenke mir Geduld, Hoffnung und Mut für den nächsten Schritt. Amen.

 

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern einen gesegneten Tag

Herzliche Grüße, Pastor Michael Röschard