Wonach hungert unsere Welt?

 

Brich dem Hungrigen dein Brot!

Jesaja 58,7

 

Jesus Christus spricht: „Ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben.

Matthäus 25,35


Liebe Leserin, lieber Leser,

wir leben in einem Land, in dem das Thema Hunger manchmal wie eine ferne Floskel erscheint. Sicher, auch bei uns gibt es Menschen, die nicht wissen, wie sie ihren Kühlschrank füllen sollen. Doch das Ausmaß des Hungers in anderen Teilen der Welt ist für uns oft kaum vorstellbar.

Gerade in der Zeit vor Weihnachten werden unsere Briefkästen wieder mit Spendenaufrufen gefüllt. Hungrige Augen schauen uns von den Bildern entgegen. Angesichts des Leides und der Not könnte man beinahe verzweifeln.


Aber ist es nur der Hunger nach Brot und Nahrung? Hungert unsere Welt nicht auch nach etwas anderem? Nach Wahrheit statt Lüge, nach ehrlichen Nachrichten statt Hass und Manipulation, nach Frieden statt Machtgeschacher? Auch ich verspüre einen Hunger nach Ehrlichkeit, Gerechtigkeit und Frieden.


Der Prophet Jesaja richtet seine Worte an ein Volk, das zwar religiöse Formen pflegt, aber die Not seiner Mitmenschen übersieht. Gott macht deutlich: Wahre Frömmigkeit zeigt sich nicht in äußerlichen Ritualen, sondern in tätiger Barmherzigkeit. „Brich dem Hungrigen dein Brot!“ Der Glaube soll im Alltag sichtbar werden.


Jesus greift diesen Gedanken in Matthäus 25 auf. Er spricht vom kommenden Gericht und davon, wie der Menschensohn die Menschen beurteilen wird. Dabei sagt er etwas Erstaunliches: Was wir einem seiner geringsten Brüder und Schwestern getan haben, das haben wir ihm getan. Wer Hungrigen zu essen gibt, begegnet darin Jesus selbst.


Wir können nicht den Hunger der ganzen Welt stillen und auch nicht alle Ungerechtigkeit beseitigen. Aber wir können anfangen, dort, wo Gott uns hinstellt. Wir können teilen, helfen und Menschen in Not wahrnehmen. Und wir können selbst zu Menschen werden, die Wahrheit reden, Frieden suchen und Hass nicht weitertragen. Vielleicht stillen wir damit nicht jeden Hunger, aber wir geben etwas von dem weiter, was unsere Welt so dringend braucht: Gottes Liebe.


Darum bete ich heute: Herr, unser Gott, du siehst den Hunger und die Not dieser Welt. Öffne unsere Augen für Menschen, die unsere Hilfe brauchen. Schenke uns ein Herz, das nicht wegschaut, und Hände, die bereit sind zu teilen. Lass uns auch dort für Wahrheit, Frieden und Ehrlichkeit eintreten, wo andere Hass und Unfrieden säen. Gebrauche uns, damit deine Liebe sichtbar wird. Amen.



Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern einen gesegneten Tag

Herzliche Grüße, Pastor Michael Röschard