Vom Exil nach Hause – Gottes Weg führt in seine Gegenwart

 

Siehe, da ist Gott der HERR! Er kommt gewaltig, und sein Arm wird herrschen.

Jesaja 40,10

 

Ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein.

Offenbarung 21,3

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

während die Kapitel 1–39 überwiegend Gericht ankündigen, markiert Jesaja 40 einen Wendepunkt im Buch Jesaja. Denn Kapitel 40 beginnt mit den bekannten Worten: „Tröstet, tröstet mein Volk!“.


Diese Botschaft richtet sich an Menschen, die ihre Heimat verloren haben. Jerusalem liegt in Trümmern, der Tempel ist zerstört, und viele Israeliten leben in der babylonischen Gefangenschaft. Alles, worauf sie ihre Hoffnung gesetzt hatten, scheint zerbrochen zu sein. Manche fragen sich vielleicht: Hat Gott uns vergessen? Sind seine Verheißungen gescheitert?


Mitten in diese Hoffnungslosigkeit hinein ruft der Prophet: „Siehe, da ist Gott der HERR! Er kommt gewaltig.“ Gott hat sein Volk nicht aufgegeben. Er kündigt an, selbst einzugreifen und seine Kinder aus der Gefangenschaft nach Hause zu führen. Sein mächtiger Arm ist kein Zeichen kalter Stärke, sondern seiner rettenden Liebe. Wenige Verse später beschreibt Jesaja ihn als den Hirten, der seine Herde weidet und die Lämmer auf seinen Arm nimmt. Gottes Macht und seine Fürsorge gehören untrennbar zusammen.


Diese Heimkehr aus dem Exil ist jedoch mehr als ein geschichtliches Ereignis. Sie weist voraus auf das große Ziel Gottes mit der ganzen Menschheit. In der Offenbarung sieht Johannes die Vollendung: Gott wohnt für immer bei den Menschen. Dann wird es keine Trennung mehr geben, keine Vertreibung, keine Heimatlosigkeit. Was nach dem Sündenfall verloren ging, wird endgültig wiederhergestellt. Gottes Kinder sind für immer zu Hause.


Auch wir erleben Zeiten, in denen wir uns wie im Exil fühlen. Enttäuschungen, Krankheit, Schuld oder Trauer können uns den Boden unter den Füßen wegziehen. Dann entsteht leicht der Eindruck, Gott sei weit weg. Doch gerade dann gilt seine Zusage: „Siehe, da ist Gott!“ Er kommt uns entgegen. Er lässt uns nicht in unserer Gefangenschaft zurück, sondern führt Schritt für Schritt auf das Ziel zu, das er längst vorbereitet hat. Unser Glaube lebt deshalb nicht von den Umständen, sondern von der Gewissheit, dass Gott seine Verheißungen erfüllt.


So dürfen wir unseren Weg mit Hoffnung gehen. Der Gott, der Israel aus Babylon heimführte, ist derselbe Gott, der uns durch Jesus Christus erlöst hat. Und der Tag wird kommen, an dem wir nicht mehr unterwegs sind, sondern endgültig angekommen – in der ewigen Gemeinschaft mit unserem Herrn.


Darum bete ich heute: Herr, unser Gott, danke, dass du dein Volk nie vergessen hast und auch mich niemals aus den Augen verlierst. Wenn ich mich heimatlos fühle oder mein Weg dunkel erscheint, erinnere mich daran, dass du der Gott bist, der kommt, um zu retten. Danke, dass deine Verheißungen zuverlässig sind und dass du mich auf die ewige Heimat bei dir zuführst. Stärke meinen Glauben, damit ich voller Hoffnung lebe und anderen Mut machen kann. Ich freue mich auf den Tag, an dem ich für immer bei dir wohnen werde. Amen.


Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern, einen gesegneten Tag

Herzliche Grüße, Pastor Michael Röschard