Geplante Jahre – geschenkte Tage


Ich habe erkannt, HERR, dass der Mensch nicht über seinen Weg bestimmt, und es liegt in niemandes Macht, wie er wandle oder seinen Gang richte.

Jeremia 10,23


Der reiche Mensch sprach: Liebe Seele, du hast einen großen Vorrat für viele Jahre; habe nun Ruhe, iss, trink und habe guten Mut! Aber Gott sprach zu ihm: Du Narr! Diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern. Und wem wird dann gehören, was du bereitet hast?

Lukas 12,19–20

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

auf den ersten Blick scheint die Aussage Jeremias gar nicht zu stimmen. Menschen planen ihre Ausbildung, wählen ihren Beruf, gründen Unternehmen, bauen Häuser, reisen um die Welt und treffen jeden Tag Entscheidungen. Äußerlich betrachtet bestimmen wir tatsächlich vieles selbst. Wir setzen Ziele, machen Pläne und gestalten unseren Lebensweg.


Doch Jeremia blickt tiefer. Er erkennt, dass der Mensch trotz aller Freiheit nicht der letzte Herr seines Lebens ist. Wir können Entscheidungen treffen, aber wir können nicht garantieren, dass alles so kommt, wie wir es geplant haben. Wir verfügen nicht über die Zukunft. Gesundheit, Lebenszeit, offene Türen und geschlossene Wege liegen letztlich nicht in unserer Hand.


Genau das zeigt das Gleichnis Jesu vom reichen Kornbauern. Er hatte erfolgreich gewirtschaftet und langfristig geplant. Aus menschlicher Sicht war sein Konzept vernünftig. Sein Fehler bestand nicht im Arbeiten oder Vorsorgen, sondern darin, dass Gott in seinen Überlegungen keine Rolle spielte. Er rechnete mit vielen Jahren, obwohl ihm nicht einmal der nächste Tag gehörte.


Wie oft planen auch wir, als hätten wir die Zukunft fest im Griff. Wir sprechen von den kommenden Jahren, von unseren Vorhaben und Sicherheiten. Doch Gottes Wort erinnert uns daran, demütig zu bleiben. Unser Leben ist ein Geschenk, kein Besitz. Wahre Sicherheit finden wir nicht in Vorräten, Kontoständen oder gelungenen Plänen, sondern in der Hand Gottes.


Das bedeutet nicht, dass wir nicht planen sollen. Aber wir sollen unsere Pläne Gott anvertrauen und anerkennen, dass er die letzte Autorität über unser Leben hat. Wer das tut, lebt nicht ängstlich, sondern vertrauensvoll.


Welche Pläne beschäftigen mich gerade? Verlasse ich mich dabei vor allem auf meine Fähigkeiten und Sicherheiten, oder suche ich bewusst Gottes Führung? Heute darf ich meine Zukunft neu in Gottes Hände legen und darauf vertrauen, dass seine Wege besser sind als meine eigenen.


Darum bete ich heute: Herr, mein Gott, oft denke ich, dass ich mein Leben selbst in der Hand habe. Danke, dass du mich daran erinnerst, wie sehr ich auf dich angewiesen bin. Bewahre mich davor, meine Sicherheit in Besitz, Erfolg oder eigenen Plänen zu suchen. Lehre mich, meine Wege dir anzuvertrauen und auf deine Führung zu hören. Schenke mir ein demütiges Herz, das mit dir rechnet und dir vertraut – heute und an jedem neuen Tag. Amen.


Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern, einen gesegneten Tag

Herzliche Grüße, Pastor Michael Röschard