LichtBlick des Tages
Reden mit Bedacht – hören mit dem Herzen
„Sei nicht schnell mit deinem Munde und lass dein Herz nicht eilen, etwas zu reden vor Gott; denn Gott ist im Himmel und du auf Erden; darum lass deiner Worte wenig sein.“
Prediger 5,1
Liebe Leserin, lieber Leser,
in einer Welt voller Worte fällt es uns schwer, still zu werden. Wir sind es gewohnt, schnell zu reagieren, sofort zu antworten und unsere Gedanken ungefiltert auszusprechen. Doch dieser Vers erinnert uns daran, dass die Begegnung mit Gott anders ist. Vor Ihm zählt nicht die Menge unserer Worte, sondern ihre Tiefe und Aufrichtigkeit.
Gott ist im Himmel – er ist erhaben, heilig und größer als unser Verstehen. Wir dagegen sind auf der Erde, begrenzt, abhängig und oft voller Unruhe. Diese Spannung lädt uns ein, innezuhalten. Es geht nicht darum, nichts mehr zu sagen, sondern darum, bewusst zu sprechen. Worte vor Gott sollen nicht leichtfertig sein, sondern getragen von Ehrfurcht, Vertrauen und Demut.
Wie oft kommen wir zu Gott mit langen Listen von Bitten, mit schnellen Gebeten zwischen Tür und Angel? Vielleicht lädt uns dieser Vers ein, unsere Haltung zu verändern: weniger reden, mehr hören. Weniger erklären, mehr vertrauen. Weniger Eile, mehr Gegenwart.
Persönlich kann das bedeuten, dass ich mir bewusst Zeiten der Stille nehme. Dass ich nicht sofort jedes Gebet mit Worten fülle, sondern auch einfach vor Gott bin. Dass ich Ihm Raum gebe, zu mir zu sprechen – durch sein Wort, durch Gedanken, durch Frieden im Herzen.
Es kann auch bedeuten, dass ich meine Worte prüfe: Sind sie ehrlich? Kommen sie aus einem demütigen Herzen?
Gott sucht keine perfekten Reden, sondern echte Begegnung. Und manchmal geschieht diese am tiefsten in der Stille.
Darum bete ich heute: Herr, du großer und heiliger Gott, du kennst mein Herz und all meine Worte. Vergib mir, wo ich vorschnell rede oder gedankenlos bete. Lehre mich, still zu werden vor dir. Schenke mir ein hörendes Herz und Worte, die aus Wahrheit und Vertrauen kommen. Hilf mir, deine Gegenwart mehr zu suchen als meine eigenen Gedanken auszudrücken. Lass mich in der Stille deine Nähe erfahren.
Amen.
Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern, einen gesegneten Tag!
Herzliche Grüße, Pastor Michael Röschard

