LichtBlick des Tages
Gott ist näher, als wir fühlen
Verlass mich nicht, HERR, mein Gott, sei nicht ferne von mir!
Psalm 38,22
Liebe Leserin, lieber Leser,
dieser kurze, eindringliche Ruf aus Psalm 38 kommt aus einer Situation tiefer Not. David ist bedrängt – von Schuld, von Krankheit, von innerer und äußerer Bedrohung. Seine Worte sind kein theologisches Lehrstück, sondern ein Herzensschrei. Er bittet nicht um Erklärungen, nicht einmal zuerst um Veränderung der Umstände. Seine größte Angst ist: Gott könnte fern sein.
Wie vertraut uns das ist. Es gibt Zeiten, in denen wir beten, aber keine Antwort hören. Zeiten, in denen Gott schweigt und wir uns fragen, ob Er uns noch sieht. Gerade dann formt sich dieses Gebet: „Verlass mich nicht… sei nicht ferne von mir.“ Es ist ein Gebet voller Vertrauen – denn wer so betet, glaubt tief im Innersten, dass Gott hören kann und nahe sein will.
Dieser Vers erinnert uns daran: Nähe zu Gott ist kein Gefühl, sondern eine Verheißung. Auch wenn David Gottes Ferne empfindet, bleibt Gott doch sein „HERR“ und sein „Gott“. Beziehung besteht weiter, selbst im Dunkel. Gott zieht sich nicht zurück, weil wir schwach sind. Im Gegenteil: Gerade in unserer Schwachheit kommt Er uns besonders nah.
Psalm 38,22 lädt uns ein, ehrlich zu beten. Wir müssen Gott nichts vorspielen. Wir dürfen Ihm sagen, wenn wir uns verlassen fühlen, wenn unser Glaube müde ist oder unsere Hoffnung klein. Dieses Gebet ist kein Zeichen von Unglauben, sondern von tiefer Abhängigkeit.
Nimm dir heute doch einen Moment und frage dich: Wo fühle ich mich gerade allein oder von Gott entfernt? Bring genau das vor Ihn – ohne fromme Worte, ohne Filter. Sprich es aus. Vielleicht ist dieses einfache Gebet alles, was du heute beten kannst. Und das genügt.
Und dann erinnere dich: Auch wenn du Gott nicht spürst, hält Er dich fest. Seine Nähe hängt nicht von deiner Stärke ab, sondern von seiner Treue.
Ich bete heute: Herr, mein Gott, du siehst meine innere Not und meine Fragen. Manchmal fühle ich mich dir fern, und mein Herz wird schwer. Ich bitte dich: Verlass mich nicht. Bleib bei mir, auch wenn ich dich nicht spüre. Stärke mein Vertrauen, wenn mein Glaube wankt, und erinnere mich daran, dass deine Nähe größer ist als meine Gefühle. Du bist mein Gott – heute und alle Tage.
Amen.
Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern, einen gesegneten Tag!
Herzliche Grüße, Pastor Michael Röschard

