Gott sieht die, die andere übersehen
Der HERR hebt auf den Dürftigen aus dem Staub.
1. Samuel 2,8
Maria sprach: Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist freuet sich Gottes, meines Heilandes; denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen.
Lukas 1,46–48
Liebe Leserin, lieber Leser,
in unserer Welt zählen oft die Starken, Erfolgreichen und Einflussreichen. Wer etwas vorzuweisen hat, bekommt Aufmerksamkeit. Wer dagegen am Boden liegt, arm oder unbedeutend erscheint, wird leicht übersehen. Doch bei Gott gelten andere Maßstäbe. Er sieht gerade die Menschen, an denen andere achtlos vorbeigehen.
Das wird schon im ersten Buch Samuel deutlich. Die Worte aus Kapitel 2 stammen aus dem Lobgesang Hannas. Sie hatte lange unter ihrer Kinderlosigkeit gelitten und wurde von ihrer Umgebung deswegen verspottet. Gott erhörte ihr Gebet und schenkte ihr einen Sohn: Samuel. Aus tiefer Dankbarkeit lobt Hanna Gott. Sie beschreibt ihn als den Herrn, der die Verhältnisse umkehren kann: Er macht arm und reich, erniedrigt und erhöht. Er hebt den Bedürftigen aus dem Staub und gibt dem Schwachen einen Platz. Gott ist nicht auf menschliche Stärke angewiesen. Er handelt aus seiner Macht und Gnade.
Viele Jahrhunderte später klingt dieser Gedanke im Lobgesang Marias wieder. Nachdem der Engel ihr angekündigt hat, dass sie den Sohn Gottes zur Welt bringen wird, besucht sie Elisabeth. Als diese sie segnet, antwortet Maria mit einem Loblied. Sie staunt darüber, dass Gott ausgerechnet sie, eine einfache und gesellschaftlich unbedeutende junge Frau, angesehen und erwählt hat. Sie rühmt nicht ihre eigene Größe, sondern Gottes Barmherzigkeit. Er hat sie gesehen und ihr eine einzigartige Aufgabe anvertraut.
Beide Frauen machen uns Mut: Unser Wert hängt nicht davon ab, wie andere uns beurteilen oder welchen Platz wir in der Gesellschaft einnehmen. Gott sieht uns. Er kennt unsere Not, unsere Sehnsucht und unsere stillen Kämpfe.
Vielleicht fühle ich mich manchmal übersehen, nicht gebraucht oder unbedeutend. Dann darf ich mich daran erinnern: Gott hat mich nicht aus dem Blick verloren. Und wenn ich selbst anderen begegne, möchte ich lernen, nicht nur auf die Erfolgreichen zu achten, sondern gerade den Schwachen und Bedürftigen Aufmerksamkeit und Wertschätzung zu schenken.
Darum bete ich heute: Herr, danke, dass du mich siehst und mich nicht nach menschlichen Maßstäben beurteilst. Richte mich auf, wenn ich mich klein und unbedeutend fühle. Schenke mir ein dankbares Herz wie Hanna und Maria. Öffne meine Augen für Menschen, die andere übersehen, und gebrauche mich, um ihnen deine Liebe zu zeigen. Amen.
Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern einen gesegneten Tag
Herzliche Grüße, Pastor Michael Röschard

