Wenn die Schrift lebendig wird
Ich will ihnen ein Herz geben, dass sie mich erkennen sollen, dass ich der HERR bin.
Jeremia 24,7
Die Jünger sprachen untereinander: Brannte nicht unser Herz in uns, da er mit uns redete auf dem Wege und uns die Schrift öffnete?
Lukas 24,32
Liebe Leserin, lieber Leser,
es gibt Momente beim Lesen der Bibel, die sich kaum in Worte fassen lassen. Man liest einen bekannten Abschnitt, und plötzlich scheint Gott selbst durch sein Wort zu sprechen. Eine tiefe Freude erfüllt das Herz, eine Gewissheit breitet sich aus und man spürt: Der Herr ist gegenwärtig. Die Emmausjünger beschrieben dieses Erlebnis mit den Worten: „Brannte nicht unser Herz in uns?“ Als Jesus ihnen die Schrift erklärte, wurde aus toten Buchstaben lebendige Begegnung.
Schon Jahrhunderte zuvor hatte Gott durch den Propheten Jeremia verheißen: „Ich will ihnen ein Herz geben, dass sie mich erkennen sollen.“ Wahre Gotteserkenntnis entsteht nicht allein durch Wissen oder Studium, sondern weil Gott selbst das Herz verändert. Er öffnet unsere Augen für seine Wahrheit und lässt uns seine Nähe erfahren.
Dieses „Brennen des Herzens“ ist kein flüchtiges Gefühl, das wir künstlich erzeugen könnten. Es ist vielmehr ein Geschenk des Heiligen Geistes. Manchmal geschieht es in einer stillen Zeit am Morgen, manchmal während einer Predigt oder mitten im Alltag, wenn ein Bibelvers plötzlich ganz persönlich wird. In solchen Augenblicken merken wir: Gott kennt uns, spricht zu uns und zieht uns näher zu sich.
Doch auch wenn dieses Empfinden einmal ausbleibt, bleibt Gottes Wort kraftvoll und wahr. Unser Glaube ruht nicht auf wechselnden Gefühlen, sondern auf dem treuen Charakter Gottes. Trotzdem dürfen wir ihn immer wieder bitten, unser Herz neu zu öffnen und sein Wort lebendig werden zu lassen.
Vielleicht kennst du diese Erfahrung: Du liest die Bibel und auf einmal scheint ein Vers direkt für deine aktuelle Situation geschrieben zu sein. Genau solche Begegnungen stärken den Glauben und vertiefen die Beziehung zu Jesus. Sie erinnern uns daran, dass Gott nicht fern ist, sondern ein lebendiger Herr, der heute noch zu seinen Kindern spricht und ihre Herzen entzündet.
Darum bete ich heute: Herr Jesus, danke für dein lebendiges Wort. Schenke mir ein Herz, das dich erkennt und offen ist für dein Reden. Öffne mir die Schrift und lass sie in meinem Leben lebendig werden. Entzünde in mir neu die Freude an deiner Gegenwart und hilf mir, dir auch dann zu vertrauen, wenn ich nichts Besonderes empfinde. Lass mein Herz für dich brennen und mein Leben deine Liebe widerspiegeln. Amen.
Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern, einen gesegneten Tag
Herzliche Grüße, Pastor Michael Röschard

