Wenn die Seele dürstet – Gott gibt täglich, was wir brauchen

 

Der HERR wird dich immerdar führen und dich sättigen in der Dürre.

Jesaja 58,11

 

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Matthäus 6,11


Liebe Leserin, lieber Leser,

wer kennt es nicht, dieses Gefühl der Dürre? Man betet, aber hat den Eindruck, dass die Gebete nicht gehört werden. Der Alltag ist so laut, dass die Beziehung zu Gott und Jesus Christus immer mehr in den Hintergrund tritt. Die Bibel liegt vielleicht griffbereit, doch die Freude am Lesen fehlt. Gottes Verheißungen gelten scheinbar für alle anderen – aber kann ich sie auch für mich persönlich annehmen?


Im Buch Jesaja spricht Gott zu seinem Volk, das sich mit seinem Glauben auseinandersetzen muss. In Kapitel 58 kritisiert der Prophet einen Gottesdienst, der nach außen fromm erscheint, während Gerechtigkeit und Nächstenliebe zu kurz kommen. Gott zeigt, worauf es ihm ankommt: Unterdrückten helfen, Hungrige speisen und Bedürftigen beistehen. Wer sich so Gott und dem Nächsten zuwendet, dem verheißt Gott Führung und Stärkung. Das Bild der Dürre beschreibt dabei nicht nur äußere Not. Es erinnert uns auch daran, wie sehr wir auf Gottes erneuernde Kraft angewiesen sind.


Jesus lehrt seine Jünger im Matthäusevangelium das Vaterunser. Die Bitte „Unser tägliches Brot gib uns heute“ macht deutlich: Wir sind nicht aus eigener Kraft versorgt. Wir brauchen Nahrung, ein Dach über dem Kopf und Arbeit, um unseren Lebensunterhalt zu verdienen. Doch zum Leben gehört mehr als das, was unseren Körper erhält. Auch unsere Seele braucht Nahrung. Wir brauchen Gottes Wort, seine Nähe und die Gewissheit, dass wir ihm unsere Sorgen anvertrauen dürfen.


Vielleicht ist gerade das die Herausforderung: nicht erst dann zu beten, wenn wir keinen Ausweg mehr sehen, sondern Gott täglich um das zu bitten, was wir brauchen – auch um neuen Glauben, wenn wir selbst kaum noch etwas davon spüren.


Ich möchte Gott meine geistliche Dürre ehrlich sagen, statt mich dafür zu verurteilen. Auch wenn ich seine Nähe nicht fühle, darf ich mich ihm zuwenden. Vielleicht beginne ich jeden Morgen mit dem Vaterunser und einem kurzen Abschnitt aus der Bibel. Ich muss nicht sofort alles verstehen oder fühlen. Ich darf Gott bitten, mich heute zu führen und mir die geistliche Nahrung zu geben, die ich brauche. Schritt für Schritt kann meine Beziehung zu ihm wieder wachsen.


Darum bete ich heute: Herr, du kennst meine Dürre und meinen Durst nach dir. Vergib mir, wenn ich dich im Lärm des Alltags aus den Augen verliere. Schenke mir täglich, was ich zum Leben brauche – für meinen Körper und für meine Seele. Hilf mir, deinen Verheißungen neu zu vertrauen, auch wenn ich sie gerade nicht fühlen kann. Führe mich und lass mich aus deiner Nähe leben. Amen.

 

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern einen gesegneten Tag

Herzliche Grüße, Pastor Michael Röschard