Wenn Gott wirklich gesprochen hat
Ihr sollt einer mit dem andern reden: »Was hat der HERR geantwortet?«, und: »Was hat der HERR gesagt?«
Jeremia 23,35
Petrus dachte an das Wort, das Jesus gesagt hatte: Ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. Und er ging hinaus und weinte bitterlich.
Matthäus 26,75
Liebe Leserin, lieber Leser,
Jeremia 23 steht in einer ernsten Zeit. Jerusalem war politisch und geistlich erschüttert, und unter den Propheten gab es Männer, die behaupteten, im Namen Gottes zu reden. Doch nicht jeder, der als Prophet auftrat, war von Gott gesandt. Manche verkündigten Frieden, obwohl Gott zum Gericht rief. Sie redeten aus ihrem eigenen Herzen und gaben ihren eigenen Gedanken den Anschein göttlicher Autorität. Darum richtet Gott durch Jeremia scharfe Worte gegen diese falschen Propheten.
In diesem Zusammenhang bekommt die Frage aus Vers 35 ein besonderes Gewicht: „Was hat der HERR gesagt?“ Nicht: Was habe ich empfunden? Was scheint mir Gott heute sagen zu wollen? Was ist die beeindruckendste geistliche Erfahrung? Sondern: Was hat der HERR tatsächlich gesagt?
Das ist auch für uns eine wichtige Mahnung. Wo Menschen behaupten, besondere prophetische Fähigkeiten zu besitzen, wo man meint, Prophetie wie eine geistliche Begabung systematisch erlernen und trainieren zu können, ist nüchterne Prüfung nötig. Die Propheten des Alten Testaments waren keine Menschen, die sich selbst zu dieser Aufgabe ausbildeten. Gott berief sie.
Und diese Berufung war keineswegs immer etwas, worüber sie sich freuten. Jeremia selbst wollte nicht der unbequeme Überbringer göttlicher Botschaft sein.
Wie schnell ist es dagegen gesagt: „So spricht der Herr.“ Solche Worte sind keine geistliche Kleinigkeit. Wer damit seine eigenen Gedanken versieht, stellt sich an einen Ort, der ihm nicht zusteht. Wo menschliche Worte als Gottes Wort ausgegeben werden, kann aus vermeintlichem Balsam bitteres Gift werden.
Petrus erinnert uns zugleich daran, wie nötig Demut ist. Er hatte Jesu Worte gehört – und doch versagt. Erst als er sich an Jesu Wort erinnerte, zerbrach sein Selbstvertrauen. Auch wir brauchen nicht immer mehr spektakuläre Erfahrungen. Wir brauchen ein demütiges Herz, das sich unter das von Gott bereits gesprochene Wort stellt.
So bleibt die Frage auch an mich gerichtet: Bin ich bereit, mich Gottes Wort zu beugen, auch wenn es meinen eigenen Vorstellungen widerspricht? Möge Gott uns vor geistlichem Hochmut bewahren und uns eine nüchterne, hörende und prüfende Haltung schenken.
Ich bete heute: Herr, schenke mir Demut vor deinem Wort. Bewahre mich davor, meine eigenen Gedanken mit deinem Namen zu versehen. Gib mir ein waches Herz, das prüft, was von dir kommt, und den Mut, mich selbst deinem Wort zu unterstellen. Lass mich nicht dem Spektakulären nachjagen, sondern treu bei der Wahrheit bleiben. Und wenn ich versagt habe, führe mich wie Petrus zur Buße und zurück zu dir. Amen.
Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern einen gesegneten Tag
Herzliche Grüße, Pastor Michael Röschard

