Einheit bewahren – ohne die Wahrheit aufzugeben
Abram sprach zu Lot: Es soll kein Zank sein zwischen mir und dir und zwischen meinen und deinen Hirten; denn wir sind Brüder.
1. Mose 13,8
Seid darauf bedacht, zu wahren die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens.
Epheser 4,3
Liebe Leserin, lieber Leser,
mit der Einigkeit ist es ja nicht immer weit her. Unterschiedliche christliche Richtungen und Auffassungen fordern uns heraus. Und die eine oder andere Irrlehre wabert durch die Gemeinde Jesu. Der große Gegenspieler Gottes wird in der Bibel auch „Diabolos“ genannt – der Durcheinanderbringer. Er bringt Verwirrung und versucht, Gottes Gemeinde auseinanderzubringen. Wie wichtig ist deshalb die Aufforderung: Bewahrt die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens!
Schon im Alten Testament begegnet uns ein bemerkenswertes Beispiel. In 1. Mose 13 sind Abram und sein Neffe Lot gemeinsam unterwegs. Beide besitzen große Herden, und das Weideland reicht nicht mehr für alle Tiere aus. Zwischen ihren Hirten kommt es zum Streit. Abram hätte auf seinem Recht bestehen können. Stattdessen sucht er den Frieden und sagt: „Es soll kein Zank sein zwischen mir und dir; denn wir sind Brüder.“ Er stellt die Beziehung über den eigenen Vorteil und überlässt Lot sogar die erste Wahl des Landes.
Jahrhunderte später schreibt Paulus an die Gemeinde in Ephesus. In Epheser 4 erinnert er die Christen daran, dass sie durch Christus zu einem Leib gehören. Es gibt einen Herrn, einen Glauben und eine Taufe. Deshalb sollen sie in Demut, Sanftmut und Geduld miteinander umgehen und die Einheit bewahren, die Gottes Geist bereits geschaffen hat.
Einheit bedeutet nicht, dass wir jede Meinung und jede Lehre gutheißen müssen. Wo das Evangelium verfälscht wird, braucht es Klarheit und manchmal auch Widerspruch. Doch gerade in christlichen Diskussionen, etwa auf YouTube, ist Vorsicht geboten.
Manchmal geht es nicht mehr darum, eine fragwürdige Lehre sachlich zu prüfen, sondern darum, andere Christen möglichst drastisch als Irrlehrer abzustempeln und sich dadurch selbst zu profilieren. Dabei wird die notwendige Auseinandersetzung schnell lieblos und verletzend. Es geht auch anders: Man kann Irrtümer deutlich benennen, ohne Menschen herabzusetzen. Wir dürfen für die Wahrheit eintreten, ohne die Liebe zu verlieren. Denn es geht nicht darum, Recht zu behalten oder sich selbst großzumachen, sondern gemeinsam Christus treu zu bleiben.
Darum bete ich heute: Herr Jesus Christus, bewahre deine Gemeinde vor Streit, Spaltung und Verwirrung. Schenke uns Liebe zur Wahrheit und zugleich Demut und Geduld im Umgang miteinander. Bewahre uns vor Hochmut und verletzenden Worten. Hilf uns, das Band des Friedens zu bewahren, ohne deine Wahrheit preiszugeben. Lass uns in aller Verschiedenheit gemeinsam auf dich sehen. Amen.
Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern einen gesegneten Tag
Herzliche Grüße, Pastor Michael Röschard

