Offene Ohren für Gottes Stimme

 

Gott der HERR hat mir das Ohr geöffnet. Und ich bin nicht ungehorsam und weiche nicht zurück.

Jesaja 50,5

 

Maria setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seiner Rede zu.

Lukas 10,39

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

es gibt einen großen Unterschied zwischen Hören und wirklichem Zuhören. Wir hören täglich unzählige Stimmen: Menschen reden mit uns, Nachrichten erreichen uns, Gedanken beschäftigen uns und unsere eigenen Sorgen werden laut. Doch mitten in all diesen Stimmen möchte Gott zu uns reden.


Jesaja sagt: „Gott der HERR hat mir das Ohr geöffnet.“ Ein geöffnetes Ohr bedeutet, bereit zu sein, Gottes Stimme wahrzunehmen und sein Wort an sich heranzulassen. Doch Jesaja bleibt nicht beim Hören stehen. Er sagt: „Ich bin nicht ungehorsam und weiche nicht zurück.“


Gerade dieser zweite Satz hat es in sich. Denn was ist, wenn Gott mir Wahrheiten zeigt, die unbequem sind? Was ist, wenn sein Wort meinen Gehorsam fordert und nicht zu dem passt, was ich eigentlich möchte? In einer Welt, die stark von unserem persönlichen Lifestyle geprägt ist, kann Gehorsam gegenüber Gottes Geboten etwas kosten. Vielleicht kostet er mich Sympathien, vielleicht sogar die eine oder andere Bekanntschaft. Es ist nicht immer leicht, zu Gottes Wahrheit zu stehen, wenn sie mich etwas kostet.


„Ich weiche nicht zurück“ hat deshalb eine gewisse Spannung. Wenn ich in Gottes Wort eine Wahrheit für mein Leben höre, habe ich mehrere Möglichkeiten. Ich kann weglaufen und so tun, als hätte ich nichts gehört. Ich kann Gottes Reden verdrängen oder mir meine eigene Wahrheit zurechtlegen. Oder ich kann stehen bleiben und mir anhören, was Gott mir zu sagen hat – auch dann, wenn es unbequem ist.


Ich kenne Zeiten aus meinem eigenen Leben, in denen ich lieber zurückgewichen bin und meine eigenen Wege gewählt habe. Hin und wieder bin ich auch einfach weggelaufen und wollte gar nicht weiterhören, bis Gott „zu Ende gesprochen hatte“, weil mir das, was ich gehört hatte, zu unbequem war. Doch gerade dann durfte ich erfahren: Gott meint es gut mit mir. Seine Gebote wollen mich nicht einengen, sondern auf einen guten Weg führen. Auch wenn sein Reden mich manchmal herausfordert, will er immer das Beste für mich.


Maria zeigt uns eine andere Haltung. Sie setzt sich Jesus zu Füßen und hört seiner Rede zu. Sie nimmt sich Zeit, still zu werden und sich seinem Wort auszusetzen. Sie weiß nicht vorher, was Jesus sagen wird – aber sie ist bereit zuzuhören.


Vielleicht möchte Gott auch heute unser „Ohr öffnen“. Vielleicht spricht er durch sein Wort genau in eine Situation hinein, in der wir lieber ausweichen würden. Dann dürfen wir stehen bleiben. Nicht weil alles leicht ist, sondern weil wir wissen: Gott ist vertrauenswürdig.


Persönlich möchte ich lernen, nicht nur die Worte Gottes zu hören, die mir gefallen. Ich möchte auch dort stehen bleiben, wo er mich korrigiert, herausfordert und zum Gehorsam ruft. Denn ein geöffnetes Ohr bedeutet letztlich auch ein bereites Herz.


Ich bete heute: Herr Jesus, öffne meine Ohren und mein Herz für deine Stimme. Schenke mir den Mut, auch dann stehen zu bleiben, wenn deine Wahrheit unbequem für mich ist. Vergib mir, wo ich zurückgewichen bin, weggelaufen bin oder meinen eigenen Weg gewählt habe. Hilf mir, deinem Wort zu vertrauen und gehorsam zu sein, auch wenn mich das etwas kostet. Lass mich wie Maria zu deinen Füßen sitzen, dir aufmerksam zuhören und das, was du mir sagst, in meinem Leben umsetzen. Danke, dass du es immer gut mit mir meinst und mich auf deinem guten Weg führen möchtest. Amen.


Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern, einen gesegneten Tag

Herzliche Grüße, Pastor Michael Röschard