Wenn Gott die Ketten löst
Führe mich aus dem Kerker, dass ich preise deinen Namen. Dann werden sich die Gerechten zu mir sammeln, wenn du mir Gutes tust.
Psalm 142,8
So wurde nun Petrus im Gefängnis festgehalten; aber die Gemeinde betete ohne Aufhören für ihn zu Gott.
Apostelgeschichte 12,5
Liebe Leserin, lieber Leser,
es gibt Gefängnisse, die keine Mauern haben. Wir sitzen nicht hinter Gittern, und doch können wir uns gefangen fühlen: im Leistungsdruck, in den Erwartungen anderer, in dem ständigen Bemühen, gesehen und anerkannt zu werden. Die Anforderungen in Beruf und Familie können uns so sehr belasten, dass wir innerlich nur noch denken: Ich möchte hier heraus!
Auch David kennt dieses Gefühl. Er betet: „Führe mich aus dem Kerker.“ Das ist kein frommes Verstecken seiner Not. David spricht seine Sehnsucht nach Befreiung offen vor Gott aus. Und zugleich weiß er, wozu Gott ihn befreien soll: „dass ich preise deinen Namen.“ Gottes Hilfe soll nicht einfach dazu führen, dass es David wieder besser geht. Seine Befreiung soll ihn neu zum Lob Gottes führen.
Dann folgt ein bemerkenswerter Gedanke: „Dann werden sich die Gerechten zu mir sammeln, wenn du mir Gutes tust.“ Damit meint David Menschen, die mit ihm auf Gott vertrauen. Sie sollen sehen und hören, was Gott getan hat. Aus persönlicher Rettung wird ein Zeugnis. Was Gott an einem Menschen tut, kann auch anderen Mut machen und ihren Glauben stärken.
Genau daran erinnert uns die Geschichte von Petrus. Petrus sitzt im Gefängnis – und die Gemeinde betet „ohne Aufhören“ für ihn. Und dann geschieht etwas Wunderbares: Ein Engel weckt Petrus in der Nacht. Die Ketten lösen sich, die Türen öffnen sich, und Petrus geht hinaus.
Wir sollten solche Geschichten nicht vorschnell auf jede Lebenssituation übertragen. Nicht jede Not verschwindet über Nacht. Aber sie kann uns daran erinnern: Gott ist größer als unsere Gefängnisse.
Jesus Christus ist in diese Welt gekommen, um uns Freiheit zu schenken. Das bedeutet nicht, dass wir aus unserer Arbeit, unserer Familie oder unseren Verantwortungen ausbrechen sollen. Aber wenn wir zu Christus gehören, verändert sich unser Blick. Wir müssen nicht mehr aus eigener Kraft allen Erwartungen entsprechen. Wir dürfen unser Leben aus Gottes Hand empfangen.
Vielleicht sitzt du heute in einem Kerker, den niemand sieht. Dann darfst du mit David beten: „Führe mich aus dem Kerker, dass ich preise deinen Namen.“ Und vielleicht wird deine Erfahrung eines Tages selbst zu einem Zeugnis, durch das andere Menschen neuen Mut bekommen.
Ich will Gott heute ehrlich sagen, wo ich mich gefangen fühle. Ich will ihm meine Lasten hinhalten und darauf vertrauen, dass meine Freiheit nicht darin besteht, vor meinem Leben davonzulaufen, sondern darin, mein Leben mit Jesus zu leben.
Darum bete ich heute: Herr Jesus Christus, du kennst meine sichtbaren und unsichtbaren Gefängnisse. Du weißt, wo ich unter Druck stehe, wo ich mich nach Anerkennung sehne und wo mir die Kraft fehlt. Führe mich heraus und schenke mir deine Freiheit. Lehre mich, mein Leben mit deinen Augen zu sehen. Und wenn du mir Gutes tust, lass mein Leben zu einem Zeugnis für andere werden. Schenke mir Menschen, die für mich beten, und hilf mir, selbst für andere einzustehen. Lass mich am Ende mit David sagen: „Ich will deinen Namen preisen.“ Amen
Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern einen gesegneten Tag
Herzliche Grüße, Pastor Michael Röschard

