LichtBlick des Tages
Vom Kreuz zum Thron: Das Lamm ist würdig!
Die um den Thron sprachen mit großer Stimme: Das Lamm, das geschlachtet ist, ist würdig, zu nehmen Kraft und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Preis und Lob.
Offenbarung 5,12
Liebe Leserin, lieber Leser,
Karfreitag ist ein Tag der Stille. Ein Tag, an dem die Welt innehält – zumindest für einen Moment. Wir sehen das Kreuz, hören die Hammerschläge, spüren die Dunkelheit, die sich über Golgatha legt. Es ist ein Tag voller Tragik, Schmerz und tiefer Ohnmacht. Der Sohn Gottes leidet, wird verspottet, verlassen und schließlich getötet. Alles scheint verloren. Hoffnung stirbt sichtbar vor den Augen der Menschen.
Und doch: Gerade in dieser tiefsten Dunkelheit beginnt das größte Werk Gottes. Das „Lamm, das geschlachtet ist“ – diese Worte tragen den Schmerz von Karfreitag in sich. Jesus Christus wird zum Opfer. Nicht zufällig, nicht sinnlos, sondern aus Liebe. Er trägt Schuld, die nicht seine ist. Er erträgt Leid, dass wir verdient hätten. In seiner Ohnmacht am Kreuz liegt eine verborgene Kraft: die Kraft der Hingabe, die stärker ist als jede Gewalt dieser Welt.
Karfreitag zeigt uns, wie tief Gottes Liebe geht. Sie scheut weder Schmerz noch Verlust. Sie hält aus, wo wir längst aufgegeben hätten. Sie bleibt, auch wenn alles zerbricht. Doch die Offenbarung öffnet unseren Blick über das Kreuz hinaus. Das geschlachtete Lamm steht nicht mehr in der Erniedrigung – es steht vor dem Thron Gottes. Und plötzlich wird klar: Das Kreuz war nicht das Ende, sondern der Weg zum Sieg.
Die himmlischen Stimmen rufen nicht über einen Besiegten, sondern über einen Sieger. „Würdig ist das Lamm!“ – würdig, alle Macht zu empfangen, alle Ehre, allen Lobpreis. Der, der litt, regiert. Der, der starb, lebt. Der, der verlassen war, steht nun im Zentrum der Anbetung.
Karfreitag bleibt ein Tag der Trauer – aber nicht ohne Hoffnung. Denn unser Schmerz ist nicht das letzte Wort. Unsere Ohnmacht ist nicht das Ende der Geschichte. In Jesus Christus hat Gott gezeigt, dass aus tiefster Dunkelheit neues Leben entstehen kann.
So dürfen wir heute beides halten: die Tränen und den Triumph. Das Kreuz und den Thron. Die Stille des Todes und den Klang des Himmels.
Wo erlebst du heute Karfreitag in deinem eigenen Leben? Vielleicht in Form von Verlust, Enttäuschung, Schuld oder innerer Leere. Vielleicht gibt es Situationen, in denen du dich machtlos fühlst und keine Antworten hast. Gerade dort will dir dieser Tag begegnen: Jesus kennt diesen Schmerz. Er ist nicht fern, sondern mitten darin.
Das Kreuz lädt dich ein, deine Last nicht länger allein zu tragen. Du darfst sie ablegen – im Vertrauen darauf, dass das Lamm Gottes sie getragen hat. Und gleichzeitig darfst du hoffen: Auch wenn du das Ende noch nicht siehst, schreibt Gott bereits an der Auferstehung.
Darum bete ich heute: Herr Jesus Christus, heute stehen wir vor deinem Kreuz und erkennen, wie tief deine Liebe geht. Du hast gelitten, getragen und vollbracht, was wir niemals hätten tun können. Danke, dass du das Lamm bist, das für uns geschlachtet wurde. Wir bringen dir unseren Schmerz, unsere Fragen und unsere Ohnmacht. Du siehst, was uns belastet, und nichts ist dir verborgen. Hilf uns, dir zu vertrauen, auch wenn wir den Weg nicht verstehen. Schenke uns die Gewissheit, dass dein Sieg größer ist als unsere Dunkelheit. Lass uns in der Stille von Karfreitag deine Gegenwart erfahren und richte unseren Blick auf den kommenden Triumph. Du bist würdig aller Ehre – heute und in Ewigkeit. Amen!
Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern, einen gesegneten Tag
Herzliche Grüße, Pastor Michael Röschard

