Einmal kurz zur Ruhe kommen. In der Hektik des Alltags.

Hier finden Sie regelmäßig - einen Gedanken für den Tag. Das kann ein Text sein, ein paar Gedanken zum Nachdenken, oder ein Bibeltext mit einigen Gedanken, einer Andacht dazu. Lernen Sie neu das Hören, in einer oft so lauten Welt. Herzliche Einladung dazu!

Wenn ich wüsste das morgen der jüngste Tag wäre, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.

 

Martin Luther (1483-1546) zugeschrieben

 

 

 

 

 

Copyright Bild: 1&1 ionos

Augenblick mal...!

Nun sind sie wieder verstummt, die „Narri-Narro“, die „Helau“ und „Alaaf“ Rufe der sogenannten „tollen Tage“.

Und mit dem heutigen Aschermittwoch beginnt die Passions – und Fastenzeit.

In den Kirchen kann man das oft daran merken, dass bis Ostern keine Blumen mehr auf dem Altar stehen und dass die Liturgie der Gottesdienste kürzer ist.

Und in unserem Leben – woran erkennen wir da, dass Fastenzeit ist? Manche trinken keinen Alkohol in dieser Zeit, andere verzichten auf Süßigkeiten, und wieder andere versuchen sich ganz bewusst etwas für diese 7 Wochen vorzunehmen. Passionszeit. Sieben Wochen zum Fasten. Sieben Wochen zum „Büßen“.

Das klingt doch sehr mittelalterlich und auch ein bisschen abschreckend. Wenn einer zu mir sagt „Das wirst du mir büßen“, will er mir nichts Gutes tun. In der Bibel bedeutet „Büßen“ Umdenken. Es geht nicht nur darum, ein Verhalten zu ändern. Es geht ums Innere: um Denkweisen und Einstellungen.

Bereits unsere Überschrift lässt einen nachdenken, innehalten!

 

Augenblick mal…!

 

Und gerade in den nächsten 7 Wochen soll einmal Gelegenheit sein sich darüber Gedanken zu machen. Denn diese „Augenblick mal“ gehört wohl zu den schwierigsten Anforderungen unseres Alltags.

Augenblick mal – aber sofort!

Wie wäre das denn mal 7 Wochen ohne „Sofort“?

Wir spüren es tagtäglich. Vieles soll im „Sofort-Modus“ passieren: sofort antworten, sofort entscheiden, sofort loslegen. Und dass alles möglichst gleichzeitig.

 

„Augenblick mal!“

 

Das kann eine heilsame Unterbrechung sein. Diese 7 Wochen laden dazu ein ganz neu zu entdecken, wo wir ein „Augenblick mal!“ brauchen.

Kritisch wird es in und für unser Leben, wenn alles nur noch sofort passieren soll. Eine E-Mail verlangt oder der Absender erwartet sofort eine Antwort. Eine schlechte Note in der Schule soll sofort verbessert werden, ein Problem im Job muss sofort behoben werden. Eine Stelle soll unverzüglich besetzt werden und der neue Mitarbeiter soll sich sofort zurechtfinden. Und ein gesundheitliches Problem, und sei es nur eine Erkältung, soll möglichst sofort vorbeigehen.

 

Bei den Menschen der Bibel gab es mehr als den Sofort-Modus.

 

„Ein jegliches hat seine Zeit“, schreibt der Prediger Salomo im Alten Testament. Und weiter: „Alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde: geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit; pflanzen hat seine Zeit, ausreißen, was gepflanzt ist, hat seine Zeit; töten hat seine Zeit, heilen hat seine Zeit; abbrechen hat seine Zeit, bauen hat seine Zeit; weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit; klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit.“ (Prediger 3,1–4)

Es ist nicht immer das Sofort, auf das es ankommt. Manches braucht seine Zeit. Mehr noch: Alles hat seine eigene Stunde, seine eigene Langsamkeit oder Schnelligkeit, um zu werden – oder auch, um zu vergehen. Werdende Eltern erleben das hautnah bei der Geburt ihres Kindes. Und wer am Bett eines Sterbenden sitzt, weiß: Auch das hat wie das Geborenwerden seine Zeit. Beides ist schmerzhaft. Bei beidem ist unsere ganze Menschlichkeit gefordert. Zwischen Geborenwerden und Sterben, zwischen Bauen und Einreißen, zwischen Klagen und Tanzen liegen viele Augenblicke, viele Farben und Schattierungen unseres Lebens. Manches vollzieht sich so schnell, dass wir kaum hinterherkommen.

Anderes entwickelt sich über Monate und Jahre, ganz langsam, bis wir eines Tages merken: Hier hat sich etwas getan. Jetzt ist es ausgereift und steht klar vor Augen.

 

Mit Hilfe der Bibel kann ich mein Gespür für Zeit üben und verfeinern. Was muss sofort getan werden? Was kann ich nicht hetzen, sondern muss ihm die Zeit lassen, um wachsen zu können? Wann brauche ich den Augenblick zum Nachdenken und Innehalten?

Wir sind Macher und gewohnt, vieles auf die Beine zu stellen. Umso schwerer fallen die Situationen, in denen wir nichts tun können, die wir aushalten müssen. Mal kein Aktionismus, keine großen Reden, sondern nur für den anderen da sein. Was zählt, ist meine Gegenwart.

 

„Augenblick mal! Sieben Wochen ohne Sofort“.

 

Sieben Wochen, sieben Schritte!

 

Den ersten Schritt haben wir bereits getan mit „Alles hat seine Zeit“.

Wenn wir das neu verstehen lernen, dann haben wir in der ersten Woche bereits einen großen Schritt getan.

 

„Ich muss das nicht sofort entscheiden“ könnte der zweite Schritt und die Devise der zweiten Woche heißen. „Ich muss darüber erst noch einmal schlafen“, sagt man ja.  Die Seele spricht ihre eigene Sprache. Vielleicht gibt es ja Wege und Lösungen, die ich bei Tage betrachtet nicht sehe.

 

Der dritte Schritt und damit die dritte Woche könnte zu einer Erkundungsreise durch die Zeit werden. Unter dem Motto: „Nicht sofort drauflosschaffen.“

 

Da gibt es unter uns ja die „Machertypen“ die, die immer anpacken wollen, die machen und tun, für alles eine Lösung parat haben, die dabei manchmal aber nicht merken, wie sie sich selbst übergehen. Und es gibt die Stilleren, die „Gegenwart - Genießenden“.

Das sind die, die spüren: Das, was hier gerade passiert, lässt sich nicht später nachholen. Darum schütte ich es nicht mit Aktivität zu, sondern gebe diesem Augenblick Raum.

 

„Nicht sofort drankommen“ könnte der vierte Schritt und die Devise der vierten Woche heißen. Jeder hat gerne die besten Plätze. Jeder wird gerne bevorzugt behandelt. Und jeder kennt die Furcht, der oder die Letzte zu sein, zu kurz zu kommen und leer auszugehen. Man läuft Gefahr, vor lauter Aktion die Augenblicke zu versäumen, die Gott für uns bereithält.

 

Im fünften Schritt und der fünften Woche könnte es handfest zur Sache gehen: „Nicht sofort lospoltern.“ Wenn einen die Wut packt, hilft es, einen Augenblick durchzuatmen. Alles hat seine Zeit, auch das Streiten. Der Schreiber des Epheserbriefs empfiehlt: „Lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen.“ Zorn ist nicht verboten. Aber es ist irgendwann mal gut. Am besten vor Sonnenuntergang. (Epheser 4,26)

 

Wer gärtnert oder seinen Balkon bepflanzt, kennt die Situation: Eine Pflanze will nicht so, wie ich sie will. Sie blüht nicht, sie trägt keine Früchte. „Nicht sofort aufgeben – nicht gleich umhauen! Gib ihr noch dieses Jahr!“, bittet ein Gärtner im Evangelium für die sechste Woche. Er redet nicht nur, er tut auch was. Er gräbt um und düngt. Er kümmert sich, weil er weiß: Auch wo nichts zu sein scheint, selbst wenn das Leben wie abgestorben aussieht, kann etwas werden.

 

Der siebte Schritt soll ein Fest sein. „Gottes Zeit feiern“ soll die siebte Woche heißen, ausgerechnet die Karwoche. Alles hat seine Zeit. Aufhören können gehört nämlich zum guten Arbeiten dazu.

Wenn der Allmächtige am siebten Tag von seinem Schöpfungswerk ausruht, müssen wir nicht glauben, ohne unser Schaffen, Werkeln, Handeln ginge die Welt sofort unter.

 Das kann bei dem ein oder anderen eine neue echte Freiheit schaffen.

 

„Augenblick mal…!

 

Das können sieben spannende Wochen ohne „Sofort“ werden.

Nicht, weil Sofort schlecht ist.

Aber Sofort nonstop tut nicht gut.

Man läuft Gefahr, vor lauter Aktion die Augenblicke zu versäumen, die Gott für uns bereithält. 

 

M.R. / U.M.

 

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